Familiendynastie
Andreas Jacobs nimmt die Zügel in die Hand

Lange hat er dem Vater nicht hineingeredet. Doch jetzt schaltet sich Andreas Jacobs mehr und mehr ins Geschäft des Schweizer Jacobs-Imperiums ein.

ZÜRICH. Den Stammbaum wirft der Sohn, der nicht länger nur ein Sohn sein muss, schwungvoll aufs Papier. Ganz so, als machte er das jeden Tag. „KJJ“ steht in der Mitte mit einem Kringel darum, und Sohn Andreas nennt ihn praktischerweise auch gleich so. „KJJ“ steht für Klaus Johann Jacobs, ohne Zweifel bisher die zentrale Figur im Jacobs-Clan. Jacobs ist der Nachname jener Familiendynastie mit norddeutschen Wurzeln, die einst ein Kaffee-Imperium beherrschte und heute dank aktiver Beteiligungen am Zeitarbeitsunternehmen Adecco und am Schokoladenhersteller Barry Callebaut noch immer zu den Großunternehmern in Europa zählt. Die Jacobs’ mit den Wallenbergs oder den Quandts dieser Welt in einem Atemzug zu nennen ist sicher nicht vermessen.

Andreas Jacobs steht in der Ahnengalerie noch unterhalb von „KJJ“. Aber er rückt auf. Seit vergangenem Dezember sitzt er als Verwaltungsratspräsident an der Spitze von Barry Callebaut. Das Schweizer Unternehmen stellt Industrieschokolade her, was unappetitlich klingt, aber eigentlich nur besagt, dass sich die Firma vor allem aufs Geschäft mit den Weiterverarbeitern konzentriert und da nebenbei Weltspitze ist.

Seit Mai hat Andreas Jacobs auch im Kontrollgremium von Adecco seinen Platz, jenem Vermittler von Arbeitskräften auf Zeit, der in Europa mit Konkurrenten wie Manpower und Randstad um die Marktführerschaft rangelt und sich in Deutschland mit der Übernahme von DIS neu positioniert. Mit seinen 42 Jahren hat es „AJ“ also inzwischen schon ziemlich weit gebracht.

Wer jetzt sagt: „Wurde ja auch Zeit“, liegt falsch. Er unterschätzt den Unternehmer, der sich bereits bewährt hat, und er überschätzt den Sohn, der sich vom übermächtigen Vater erst loslösen muss. Der Junior empfängt die Gäste noch immer gerne da, wo auch der Vater Audienzen gibt: im Johann-Jacobs-Museum, einer Villa am Zürichsee, die eine Sammlung zur Kulturgeschichte des Kaffees beherbergt. „Erwarten Sie bitte keine Führung von mir“, sagt Andreas Jacobs, lächelt gewinnend und bietet einen Stuhl gegenüber den silbernen Musterdosen an, mit denen die Vertreter einst die Kaffeeehäuser aufsuchten. Das energische Kinn und die schlanke Gestalt hat er vom Vater geerbt. „Er hört intensiv zu, fragt nach, lässt nicht locker. Es ist immer wieder überraschend, wie schnell und präzis er anschließend das Gehörte zu einer Synthese zusammenfügt“, sagen seine Mitarbeiter über ihn.

Und dass er keine Führungen macht, liegt vielleicht nicht zuletzt daran, dass Familie Jacobs ihren Kaffee zwar noch trinkt, aber längst nicht mehr verkauft. 1990 hat „KJJ“ sein Kaffeeimperium für einen Milliardenbetrag an Philip Morris abgegeben. Die Musterdosen und die Erinnerungen sind geblieben: „Es war ein schmerzlicher Prozess für die Familie“, sagt Andreas Jacobs. „Da steckte viel Glauben und Herzblut drin.“ Die Schweizer hatten für die Herzschmerzen kein Mitleid.

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