Fondsmanager Armínio Fraga
Der Banker mit dem Gütesiegel

Einst Soros-Zögling, dann Brasiliens Zentralbankchef und nun einer der größten Fondsmanager des Landes – bei Armínio Fraga stehen Investoren Schlange. Der unscheinbare Brasilianer hat sich dabei mit speziellen Strategien und gewaltigen Erfolgen einen Namen gemacht.

SAO PAULO. Wer Armínio Fraga am Rande eines Kongresses oder einer Bankenveranstaltung trifft, muss zweimal hinschauen, um sicher zu sein, dass dies einer der führenden Banker Brasiliens ist: Mit seinem meist etwas zu großen Jackett, der Halbglatze und der abgewetzten Ledertasche hat der 49-Jährige nichts von der glitzernden Aura seiner Kollegen aus den Investmentbanken. Lästerer behaupten, er habe den Charme eines aufgebackenen Brötchens. Auch die Presse wird langsam müde, ihn beim Golfspielen am Wochenende zu zeigen, weil er selbst dabei so normal aussieht.

Dabei ist der Banker zurzeit fast wöchentlich in den Wirtschaftsmedien: Denn seit Mitte letzten Jahres beteiligt sich seine Investmentbank Gávea Investimentos – benannt nach dem edlen Stadtteil in Rio de Janeiros Südzone, wo sie seit 2003 ansässig ist – an ständig neuen Unternehmen meist mit Aktienpaketen zwischen 20 und 25 Prozent: Etwa am Kaffeeproduzenten Ipanema, am Container-Terminal-Betreiber Multiterminais, an der neuen Fluggesellschaft BRA, an der Shopping-Mall-Kette Alliance, oder dem Veranstalter CIE. Vor kurzem erwarb er einen Anteil an McDonalds in Lateinamerika. Auch an der Fusion zwei großer Ethanolkonzerne ist er beteiligt. Bei diesen Akquisitionen arbeitet Fraga wie ein Private-Equity-Fond mit einer speziellen Strategie: Er kauft sich ein, drängt auf gute Unternehmensführung und Rendite, kräftigt das Unternehmen finanziell, öffnet Türen zu internationalen Finanziers, steuert aber nicht das Geschäft. Die Unternehmen werden dann an die Börse gebracht. „Die Stimmung ist derzeit phantastisch: Brasilien scheint sich endlich ernsthaft auf den Kapitalismus einzulassen“, begeistert sich Fraga. Den Banker interessieren vor allem Unternehmen aus der Konsumbranche, Transport und Logistik, Agro und Energie. „Es gibt derzeit zahlreiche interessante Kaufgelegenheiten“, sagt Fraga, „Investoren schätzen auch unsere westliche Finanzkultur.“

Die Private-Equity-Aktivitäten sind derzeit verantwortlich für das rasante Wachstum seiner Bank: Gávea Investimentos gründete Fraga erst Ende 2003. Doch heute verwaltet er rund 4,5 Mrd. Dollar an fremden Einlagen, die er in Hedge-Fonds, in der Vermögensverwaltung und im Private Equity arbeiten lässt. Fraga muss nicht nach Investoren suchen, oftmals reicht nur das Gerücht, dass er einen neuen Fonds auflegt, und schon stehen die Investoren Schlange. Den Gávea-II-Fonds für Private-Equity hat er im April aufgelegt, schon hat er rund 1,1 Mrd. Dollar Kapital eingesammelt. „Wir haben das Glück, einen relativ großen Fonds mit nur wenigen Investoren zusammenstellen zu können.“

Für in- und ausländische Investoren ist Armínio Fraga zu einer Marke, fast eine Art Gütesiegel geworden. Das liegt an seiner Vergangenheit: Sechs Jahre lang verwaltete Fraga in New York den Quantum-Fonds von George Soros mit einem Kapital von zwölf Mrd. Dollar. Frage, der in seiner HeimatstadtRio de Janeiro studiert hat, im amerikanischen Princeton promovierte und anschließend einen Lehrauftrag an der Columbia University hatte, war bei Soros 1993 gelandet. Die breite brasilianische Öffentlichkeit bekam Fraga jedoch erstmals zu Gesicht, als er inmitten der Brasilienkrise 1999 von New York auf den Chefposten an der Spitze der brasilianischen Zentralbank gerufen wurde. „Er ist der Fuchs im Hühnerstall“, schimpfte die Opposition damals. Doch der Regierung blieb inmitten des Chaos nach der Real-Abwertung keine andere Wahl. Die Ernennung des Top-Mannes aus dem besten Stall der Wall Street zum neuen Notenbankchef sollte signalisieren: Brasilien fährt weiter einen marktwirtschaftlichen Kurs, das Land akzeptiert die Auflagen des IWF und bezahlt seine Schulden. Aber vor allem: Spekulanten, lasst den Real in Ruhe. Wir haben jetzt einen Notenbankchef, der alle eure Tricks kennt!

Und tatsächlich, Fraga schaffte es: Brasiliens Wirtschaft versank nicht, wie von vielen Experten prognostiziert, in einer tiefen Rezession. Auch die Inflation und der Wechselkurs blieben unter Kontrolle. Dem Mann schien zeitweise alles zu gelingen: Er platzierte Milliardenbonds für Brasilien exakt, als die Märkte gerade mal kurz Luft schöpften. Er senkte die Zinsen, kurz bevor die Fed überraschend das Gleiche machte. Auch als Brasilien 2002 erneut haarscharf an der Krise vorbeischlidderte, weil der Arbeiterführer Luiz Inácio Lula da Silva Präsident werden sollte, war es Fraga, der mit dem IWF den wichtigen Überbrückungskredit aushandelte, der die Märkte beruhigte.

Eine seiner kühnsten Prognosen aus dieser Zeit war, dass Brasilien in nur 30 Monaten Investment-Grade werden würde, und damit das Gütesiegel der Ratingagenturen erreichen würde, das nur Mexiko und Chile in Lateinamerika besitzen. Und das, als Brasilien kurz davor war, im Chaos zu versinken und ein zweites Argentinien zu werden drohte. Im Nachhinein lässt sich sagen: Er hat sich nur im Zeitrahmen geirrt. Brasilien dürfte - das ist Konsens auf den Finanzmärkten - in den nächsten zwölf Monaten das begehrte Gütesiegel erhalten.

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