Franco Mathias
Überflieger mit Faible fürs Kleine

Franco Mathias ist nicht der Typ, der kleine Brötchen backt. Wer mit 31 Jahren Geschäftsführer bei einem Mittelständler ist und zwei Jahre später seine eigene Beratungsgesellschaft gründet, ist in der Regel nicht von Selbstzweifeln zerfressen. Wenn es heute schnell gehen muss, fliegt der Hobby-Pilot denn auch gerne mal selbst mit der gecharterten Cessna von Hamburg aus zum Termin nach Frankfurt.

FRANKFURT. Schließlich gehe es schneller und zudem lasse sich so auch noch das Hobby mit dem Beruf verbinden, erläutert der 45-Jährige dann in aller Seelenruhe dem leicht verblüfften Gegenüber.

Und dennoch: Es sind gerade die kleinen Brötchen, die den Mann mit den grau melierten, leicht wirren Haaren auf dem Kopf und dem Drei-Tage-Bart im Gesicht interessieren. Seit drei Jahren stellt Mathias kleinen Handwerkern, Motorradläden oder eben auch einem Backwarenhersteller Eigenkapital in Höhe von 10 000 Euro aufwärts zur Verfügung. Und kann sich derzeit angesichts der – gefühlten oder tatsächlichen – Kreditklemme vor Anfragen kaum retten. Aktuell sind es mehr als 30.

Dabei war der Anfang alles andere als leicht. „Man wird erstmal nicht für voll genommen, weil es ein solches Modell eigentlich kaum gibt“, sagt Mathias. Tatsächlich: Die meisten Beteiligungsgesellschaften engagieren sich erst ab mindestens 100 000 Euro. Und Frühphasen-Investoren, die schon deutlich unterhalb dieser Marke ansetzen, lockt vor allem Technologie, Biotech oder Kommunikation – nicht aber der schnöde Handwerker von nebenan. „Das war die Nische – und da bin ich rein“, resümiert Mathias. Je mehr Old-Economy, desto besser. Eigentlich unüblich – aber wer kann schon allzu viel Konvention von jemandem erwarten, der lieber in Jeans zum Kunden geht und offen bekennt, nicht zum Angestellten zu taugen?

Seine HCM Handwerk Capital Management mobilisiert Geld in aller Regel über stille Beteiligungen, mitunter auch über klassische Unternehmensbeteiligungen. Obergrenze: 150 000 Euro, Laufzeit in aller Regel fünf Jahre inklusive zwölf Monaten Kündigungsfrist. Das Geld kommt von Mathias und rund 60 Privatinvestoren. In den vergangenen drei Jahren wurden so rund 250 000 Euro Eigenkapital in 13 Firmen gesteckt. Mathias selbst nahm rund 150 000 Euro in die Hand.

„Dabei ist das Geld nicht das Entscheidende“, stellt der Mittelstreckenläufer, der in seiner Jugend sogar einmal Deutscher Meister war, klar. Es gehe vielmehr um das Signal an die Banken, die sich gerade bei Kleinunternehmen mit Krediten zurückhielten. „In dem Moment, wo sie das Geld auf den Tisch legen, öffnen sich in aller Regel die anderen Tore.“ Bis Ende 2008 kamen so für die in ganz Deutschland verteilten Gesellschaften im Portfolio in Summe 1,5 Mio. Euro zusammen.

So sportlich wie Mathias, der gerne auf Sylt Wellenreiten geht, sind auch seine Renditevorstellungen für sich und seine Geldgeber. Zwölf Prozent pro Jahr sollten es schon sein. Hinzu kommt eine Ergebnisbeteiligung, so dass es unter dem Strich auch gerne einmal 15 oder 20 Prozent werden können. „Das ist nicht günstig, aber jede Bank verlangt schon für den Kontokorrentkredit zwölf Prozent“, relativiert Mathias.

Das Interesse an seinen Beteiligungen scheint auf alle Fälle nicht zu leiden. Im Gegenteil: Der in seiner Heimatstadt lebende Hamburger denkt schon über eine Filiale in süddeutschen Raum nach. Quer durch die Republik ist eben selbst mit der Cessna auf Dauer zu weit.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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