Frankreich
François Pérol: Graue Eminenz im Kreuzfeuer

François Pérol gilt als möglicher Chef der neuen Bankengruppe Frankreichs - und sorgt für Empörung. Kritiker werfen ihm vor, er habe als Politiker Staatshilfen ausgehandelt, die ihm in seinem neuen Job als Banken-Boss zugute kämen. Der Skandal ist perfekt.

PARIS. Leicht wird es François Pérol in Zukunft nicht haben. Bisher agierte er im Hintergrund von Nicolas Sarkozy als graue Eminenz. Der stellvertretende Generalsekretär im Elysée-Palast gehört zum engsten Beraterkreis des Präsidenten. Doch jetzt will ihn Sarkozy zum Chef der zweitgrößten französischen Bank ernennen, die aus der Fusion von Caisse d?Epargne und Banques Populaires entsteht. Sein geplanter Chefposten der Großbank aus Sparkassen und Volksbanken bringt den 45-Jährigen mit dem energischen Blick und dem schütteren grauen Haar seit Tagen ungewollt ins Rampenlicht und sorgt für heftigen Ärger in Frankreich.

Man wirft Pérol einen Interessenkonflikt vor, weil er zuvor als Sarkozys Wirtschaftsberater die Staatshilfen mitverhandelt hat, die für die Bank bestimmt sind. Sozialistensprecher Benoît Hamon sprach deshalb von einer "Staatsaffäre" und schimpfte: "Ein Freund von Nicolas Sarkozy an der Spitze der zweitgrößten Bankengruppe, das passt zur Strategie des Einflusses des Präsidenten auf die Wirtschaft." Zentrumspolitiker François Bayrou nannte den geplanten, nahtlosen Übergang von der Politik in die Wirtschaft gar "illegal".

Doch Sarkozy sieht keine Probleme in der Ernennung von Pérol. Er blieb eisern und betonte: "Wenn ich Eigenkapital gebe, benenne ich auch die Chefs." Um die Zweifel an Pérol zu zerstreuen, betonte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde dessen "Kompetenz". Sieben Mrd. Euro könnten insgesamt vom Staat an die Bank fließen.

Deshalb befürchten Pérols Gegner schon, dass der Staat sich zu sehr in die Interessen der privaten Wirtschaft und die Neuordnung der Bankenlandschaft einmischt. Pérol wäre dadurch gleich zu Beginn umstritten. Der Arztsohn aus der Bourgogne und sechsfache Vater könnte nicht walten, wie er sich das vorstellt. Er müsste sich Sarkozy gegenüber verantworten. Doch das ist Pérol gewöhnt, auch wenn er zugibt, dass sein bisheriger Job an Sarkozys Seite ihn einige Haare gekostet hat und er auch ein paar Kilo zugenommen hat.

Hinter dem Titel des stellvertretenden Generalsekretärs im Elysée-Palast verbirgt sich ein verantwortungsvoller Posten. Pérol arbeitete zusammen mit dem Präsidenten an den Maßnahmen in der Finanzkrise, nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch in der Europapolitik. Pérol, der privat die moderne Kunst liebt, koordinierte die Hilfe für die französische Autoindustrie und leitete auch die Bankenfusion der Sparkassen und Volksbanken in die Wege. Es ist nicht der erste Zusammenschluss, den Pérol besiegelt. Er hatte auch bei der Fusion der Energiekonzerne GDF und Suez maßgeblich seine Hände im Spiel. Sarkozy vertraut ihm und respektiert ihn nicht nur für sein strategisches Talent, sondern auch für seine direkte Art.

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