Frauenquote
Japan, Macholand

Keine Nation altert schneller als Japan. Gleichzeitig arbeiten dort so wenig Frauen wie in kaum einem anderen Land. Die Firmen bemühen sich nun auf Druck der Regierung, das zu ändern – mit teils ungewöhnlichen Maßnahmen.
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TokioVieles an Yushi Katayama ist ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass selbst US-Vizepräsident Joe Biden jüngst bei seinem dreitägigen Japan-Trip um ein persönliches Treffen mit dem Unternehmer bat, um von seiner Geschäftsidee zu lernen.

Katayama betreibt in der japanischen Hauptstadt das Gemeinschaftsbüro Hatch Cowork, zum Arbeiten bringt man dort aber nicht nur Laptop und Akten mit, sondern kann auch mit seinem Kind im Schlepptau auftauchen.

Noch ungewöhnlicher aber ist eigentlich, dass Katayama sich um seinen einjährigen Sohn selbst kümmert und die Erziehung nicht völlig seiner Frau überlässt. Denn die klassische Rollenverteilung – der Mann arbeitet, die Frau kümmert sich um Kind und Küche – ist in Japan noch immer weit verbreitet.

Dabei kann es sich das Land nicht leisten, auf Frauen als Arbeitskräfte außerhalb der Haushalte zu verzichten. Denn in keinem anderen Industrieland schrumpft die arbeitsfähige Bevölkerung so stark wie in Japan. Laut einer aktuellen Studie des Finanzdienstleisters Goldman Sachs könnte Japan 8,2 Millionen mehr Berufstätige haben – wenn das Land die eklatanten Unterschiede in der Beschäftigung von Frauen und Männern schließen würde.

Der konservative Premierminister Shinzo Abe hat das Thema inzwischen angepackt. „Frauen sind Japans am wenigsten genutzte Ressource“, sagte er im vergangenen Jahr. „Unser großes Ziel ist es, den Anteil der Frauen in Führungspositionen auf 30 Prozent im Jahr 2020 zu erhöhen.“ Immer mehr Unternehmen springen nun auf den Zug auf und kümmern sich um die „ungenutzte Ressource“ – Modelle wie das von Katayama werden ernsthaft begutachtet.

Kommentare zu " Frauenquote: Japan, Macholand"

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  • @clemesespe
    In diesem Punkt allerdings stimme ich Ihnen zu.

  • Eigen- und Fremdbild passen bei den Japanern nicht mehr zusammen, die leben noch in der (wesentlich erfolgreicheren) Vergangenheit. Da lobe ich mir die Südkoreaner oder Taiwanesen oder oder... deutlich mehr Heute und deutlich weniger Gestern.
    Wie gesagt, jedem das Seine. Wer den uralten Geschichten nachhängt, ist jedenfalls in Japans Gesellschaft allerbestens aufgehoben.

  • @clememsespe
    Die Sake-Gelage und Karaoke-Naechte sind Teil der Kultur bestimmter Firmen. Ich bin in der Pharmabranche taetig, und habe das in diesem Zusammenhang noch niemals mitgemacht. Ein guter Freund allerdings, der fuer einen Elektronik-Konzern arbeitet, berichtet regelmaessig davon, wenn Erfolge/Milestones gefeiert werden.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie dazu gezwungen sind, an solchen Abenden teilzunehmen, wenn Sie dies nicht moechten. Sie koennen sich immer mit dem Jetlag rausreden....

    Ich halte es im Generellen sowieso fuer problematisch, andere Kulturen und Verhaltensweisen nur deshalb zu verurteilen, weil sie nicht zum eigenen Weltbild passen. Die Japaner moechten Ihnen nicht den japanischen Lebensstil aufzwingen - lassen Sie im Gegenzug die Japaner japanisch sein. Entspannt lebt man besser.

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