Fred Goodwin
Gefallener Finanz-Ritter

Für seine wirtschaftlichen Verdienste erhielt der einstige Chef der Royal Bank of Scotland von der Queen den Ritterschlag. Nach einer Gier-Affäre wurde Fred Goodwin der Titel nun aberkannt.
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LondonSeinen Job hat Fred Goodwin bereits vor mehr als drei Jahren verloren. Auch auf einen Teil seiner Pension musste der ehemalige Chef der Royal Bank of Scotland verzichten, doch die wohl größte Demütigung erfuhr der gescheiterte Manager erst gestern Abend. Die britische Regierung hat Goodwin seinen Adelstitel aberkannt. Sir Fred muss sich jetzt wieder ganz bürgerlich Mr. Goodwin nennen.

Ende 2008 hatte die Regierung den RBS-Chef aus dem Amt gejagt, nachdem seine Expansionspolitik das zweitgrößte Geldhaus des Königreichs an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hatte. Am Ende mussten die Steuerzahler die angeschlagene Bank mit 45 Milliarden Pfund (53,6 Milliarden Euro) stützen. Teurer war keine andere Bankenrettung. Weil Goodwin trotz dieses Desasters erst nach zähem Ringen auf einen Großteil seiner Pension von 820.000 Euro im Jahr verzichtete, gilt er seither als Symbolfigur für den gierigen Banker schlechthin.

2004 hatte der damalige Labour-Premier Tony Blair Goodwin wegen seiner Verdienste als Manager für einen Ritterschlag vorgeschlagen. Acht Jahre später übergab Blairs konservativer Nachfolger David Cameron den Fall des gestrauchelten Bankers dem „Honours Forfeiture Committee“, das über die Aberkennung von Adelstiteln entscheidet, und gestern Abend teilte die Regierung mit, dass das Gremium aus hochrangigen Staatsbeamten Goodwins Ritterschlag tatsächlich rückgängig machen werde. Eine äußerst seltene Strafe, die Goodwin mit Diktatoren wie Benito Mussolini und Nicolae Ceausescu oder dem Sowjet-Spion Anthony Blunt teilt.

Auch wenn solche drastischen Maßnahmen wie gegen den Ex-RBS-Chef die Ausnahme sind, gibt es immer wieder Ärger um die sogenannte Honours-List. Zwei Mal im Jahr, einmal zu Silvester und einmal zu ihrem Geburtstag, nickt Elisabeth II. eine von ihrem Premierminister erstellte Liste von Bürgern ab, die sich einen Orden oder gar einen Ritterschlag verdient haben. In den guten Zeiten vor der Krise gehörten „Verdienste um die Finanzwirtschaft“ zu den prominenteren Begründungen für die Verleihung eines MBE (Member of the British Empire) oder eines OBE (Order of the British Empire). Doch seit dem Beinahekollaps des Finanzsystems finden sich Banker nur noch selten auf den begehrten Listenplätzen.

Premier Cameron wird mit Genugtuung feststellen, dass das „Honours Forfeiture Committee“ im Fall Goodwin seiner Initiative gefolgt ist. Allerdings halten sich in der Londoner City hartnäckig Gerüchte, dass der Politiker seine Attacke auf Goodwin nur startete, um vom Streit über die millionenschweren Boni für die heutigen Manager bei der inzwischen quasi verstaatlichten RBS abzulenken. Erst nach zähem Tauziehen verzichtete Goodwins Nachfolger Stephen Hester Anfang dieser Woche auf seine Prämie für 2011 in Höhe von knapp einer Million Pfund.

Kommentare zu " Fred Goodwin: Gefallener Finanz-Ritter"

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  • Warum "Gefallener Finanz-Ritter"? Er war mal Banker, jetzt ist er Ex-Banker. Ein deutlicher Aufstieg.

  • Und was soll das!? Die inflationär an "verdiente" Politiker verliehenen Dr. honoris causa können auch wieder eingesammelt werden. Da sich im nachhinein deren Lebensleistung als Schaden für das Land herausgestellt hat. Da gäbe es so einige prominente Namen zu nennen. Insbesondere in Bezug auf die EU und Euroeinführung. Aber die internationale Politikerklasse hat es geschafft die Folgen ihrer unseriösen Haushaltsführung primär der Finanzbranche anzulasten. Damit ist ein wichtiger vormaliger Kritiker der deutschen Politik vorerst kaltgestellt

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