Friedensnobelpreisträger Mohammed Junus
Bescheidener „Bankier der Armen“

Als ein Mann, der wahrscheinlich mehr als jeder andere für die Ärmsten der Armen getan hat, entschuldigt sich Muhammad Yunus nicht dafür, dass er Bettlern grundsätzlich nichts gibt. Yunus hat die Grameen Bank gegründet, die umgerechnet rund 4,5 Mrd. Euro in Kleinstkrediten vergeben und mehr als sechs Millionen Bangladescher damit einen Weg aus ihrer Armut ermöglicht hat. Sein Modell revolutionierte das bis dahin gängige System und wurde inzwischen in mehr als 100 Staaten kopiert - von Uganda bis zu den USA. Gründer und Institut erhalten dafür den Friedensnobelpreis 2006.

HB NEU DELHI/DHAKA. Als bescheidener „Bankier der Armen“ aus Bangladesch hat sich Mohammed Junus weltweit einen Namen gemacht. Er will den Armen Hilfe zur Selbsthilfe geben, gemäß dem Prinzip: Wer dem Hungernden einen Fisch gibt, hilft ihm für einen Tag. Wer ihm das Angeln beibringt, hilft ihm für ein ganzes Leben. Zu seinen Bewunderern gehören - neben etlichen Menschen in seiner verarmten Heimat, denen Junus ein menschenwürdiges Leben ermöglicht - Prominente wie Bill und Hillary Clinton. Seit Jahren wurde Junus als möglicher Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises gehandelt, nun erhält er völlig überraschend die Auszeichnung in der Kategorie Frieden. Das ambitionierte Ziel des 66-jährigen: die Armut auf der Welt zu besiegen. „Eines Tages“, sagte Junus vor einiger Zeit, „werden unsere Enkel in Museen gehen, um zu sehen, was Armut war.“

Sein Rezept ist so einfach wie bestechend: Der Ex-Professor und seine Grameen-Bank - die „Dorf-Bank“ wird ebenfalls mit dem Preis geehrt - verleihen Kleinkredite an Bedürftige, fast alle davon sind Frauen. Sicherheiten verlangt die Bank nicht. Die Zinsen sind viel niedriger als die der Wucherer, an die die Armen sich zuvor wenden mussten, reguläre Bankkredite bekamen sie ohne Sicherheiten keine. „Armut überdeckt die Menschen mit einer dicken Kruste und lässt die Armen dumm und initiativlos erscheinen“, sagte Junus. „Wenn man ihnen aber Kredit gibt, dann erwachen sie langsam zum Leben.“

Statt als „Guter Bankier“ in seiner Heimat hätte Junus auch eine typischere Karriere einschlagen und ein erfolgreicher Geschäftsmann werden können. 1940 wurde Junus in Chittagong, dem Handelzentrum Bangladeschs, als Sohn eines Goldschmiedes geboren. Der Vater ermöglichte dem Sohn eine gute Ausbildung. Die Mutter aber war es, die ihn besonders beeinflusste. „Mutter half jedem Armen, der an unsere Tür klopfte“, sagte Junus. Er bekam ein Fulbright-Stipendium in den USA, nach Abschluss des Studiums wurde er mit nur 33 Jahren Wirtschaftsprofessor an der Universität von Chittagong.

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