Fritz Henderson muss als neuer Europachef den Konzern schnell aus den roten Zahlen führen
Der Tempomacher von General Motors

Mit Fritz Henderson kommt neuer Wind in die Führung der europäischen GM-Töchter Opel und Saab. Der bisherige Asienchef wird das Tempo in der Züricher Europazentrale deutlich steigern.

Die Ansprache ist straff und zackig. Sein Sprachstil lässt keinen Raum für Einwände. In fein säuberlich durchnummerierten Thesen formuliert Fritz Henderson auf dem Führungskräftetreffen von General Motors (GM) in Orlando das, was er von den Managern erwartet. Er setzt nur Pausen, um mit scharfem Blick ins Publikum zu überprüfen, ob wirklich alle versammelten 2 000 Spitzenleute seinen Ausführungen aufmerksam folgen.

Die Kontrolle ist nicht erforderlich. Vor allem die Manager der europäischen GM-Töchter Opel und Saab lassen sich keines seiner Worte entgehen. An diesem Frühlingstag im Konferenzsaal des Freizeitparks Disney World wissen sie bereits, dass Henderson Anfang Juni ihr Chef wird. Der 45-Jährige ist Nachfolger von Europa-Chef Mike Burns, der im Februar ausgeschieden ist.

Und die Herren, die in Orlando so andächtig lauschen, spüren schon, dass der bisherige Asienchef in der Züricher Europazentrale das Tempo deutlich steigern wird. Das lähmende Suchen nach Konsenslösungen, wie es dem Vorgänger Burns nachgesagt wird, ist Geschichte.

Einen Vorgeschmack auf das, was sie erwartet, haben die Leute von Opel schon vorher erhalten. Seit Februar residiert die Autolegende Bob Lutz als Interimschef in Zürich. Der 72-Jährige hat in der kurzen Zeit – gemäß dem Werbeslogan „Frisches Denken für bessere Autos“ – mehr Staub aufgewirbelt als Burns in seiner gesamten Amtszeit. Lutz hat begonnen, das Geschäft des größten Autokonzerns der Welt völlig neu zu ordnen. Bisher hätten sich Opel, die Schwestermarke Vauxhall und die schwedische GM-Tochter Saab verhalten wie ein „loser Staatenbund“, kritisierte der GM-Interimschef.

Damit ist Schluss. Mit Henderson kommt ein Mann nach Zürich, der als äußerst entscheidungsfreudig und durchsetzungsfähig gilt. Der etwa 1,70 Meter große Amerikaner mit dem kleinen Schnauzbart soll den Druck erzeugen, der nötig ist, um nach mehreren Verlustjahren endlich wieder Gewinne abzuliefern. Bislang ist GM in Europa ein Riese mit schwacher Lunge. Opel und die Schwestermarke Vauxhall fertigen hier zwar mehr als 1,5 Millionen Autos im Jahr, Saab steuert rund 120 000 bei. Doch in den letzten vier Jahren summierte sich der Verlust auf fast drei Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2004 waren es 116 Millionen Dollar.

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