Führungswechsel
Bayer holt neuen Chef für Kunststoff

Überraschender Führungswechsel bei der Bayer Material Science AG: Der britische Manager Patrick Thomas (48) soll zum Jahresende den Vorstandsvorsitz bei der zweitwichtigsten Sparte des Bayer-Konzerns übernehmen.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Er löst dann den 59-jährigen Hagen Noerenberg ab, der nach offiziellen Angaben nach 30-jähriger Tätigkeit für den Konzern in den Ruhestand geht.

Das ist insofern überraschend früh, als Top-Führungskräfte nach einem ungeschriebenen internen "Bayer-Gesetz" meist erst mit 63 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. Zudem rückt mit Thomas, der zuletzt als Berater für Private-Equity-Firmen tätig war, erstmals ein externer Manager direkt an die Spitze der Bayer-Kunststoffsparte.

Das hat gestern vereinzelt Spekulationen ausgelöst, Bayer könnte mit dem Führungswechsel eine Trennung von dem Bereich vorbereiten, und der Bayer-Aktie in einem schwachen Börsenumfeld zu einem kleinen Kursgewinn verholfen. Die meisten Analysten sehen für eine derartige Vermutung indessen keine Basis. "Das ist wohl eher ein Thema für die nächste Dekade" meinte Andreas Theissen von der WestLB. Ein Bayer-Sprecher bezeichnete die Personalie als "ganz normalen Wechsel".

Dafür, dass Bayer im Kunststoffgeschäft eher einen offensiven Kurs fahren will, spricht aus Sicht externer Beobachter vor allem die Tatsache, dass der neue Spartenchef mehr als 15 Jahre Erfahrung im Geschäft mit Polyurethanen mitbringt. Diese Kunststoffklasse bildet auch den wichtigsten Teilbereich für Bayer Material Science.

Der gelernte Ingenieur Thomas begann seine Laufbahn bei der britischen ICI. Ende der 80er-Jahre übernahm er erste Führungsaufgaben bei ICI Polyurethanes. Zehn Jahre später wechselte er zum amerikanischen Chemiekonzern Hunstman, wo er ebenfalls die Polyurethansparte leitete, bevor er 2005 Unternehmensberater wurde.

Man sei überzeugt, das Thomas dem Bayer-Geschäft mit hochwertigen Kunststoffen wesentliche Impulse geben könne, kommentierte Bayer-Chef Werner Wenning den geplanten Führungswechsel.

Bei Bayer übernimmt Thomas einen Teilkonzern, der 2005 seinen Umsatz um knapp ein Viertel auf 10,7 Milliarden Euro steigerte und auch im ersten Quartal 2006 operativ weitere Fortschritte verzeichnete. Die Werkstoffe von Bayer werden unter anderem von der Automobil-, der Elektro- und Elektronikbranche sowie in der Produktion von Sport- und Freizeitartikeln verwendet. So wurde der neue Ball für die Fußball-Weltmeisterschaft aus Kunststoffen von Bayer hergestellt.

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