Führungswechsel bei Arcandor
Middelhoff, der gescheiterte Held

Jetzt ist es offiziell: Karl-Gerhard Eick wird neuer Arcandor-Chef. Thomas Middelhoff hat in seiner Rolle als Retter des Warenhauskonzerns sein bisher größtes Desaster erlebt. Auch der neue Großaktionär Sal. Oppenheim hat den charismatischen Konzernlenker fallen gelassen. Die Arcandor-Story geht ohne ihren jahrelangen Hauptdarsteller weiter.

DÜSSELDORF. Der Vorhang ist gefallen. Thomas Middelhoff ist die Rolle des Hauptdarstellers in der Arcandor-Story, der außerdem noch für die Regie und Produktion des Stücks verantwortlich zeichnet, los. Für seine Leistung gab es wahrlich keinen Applaus. Von etlichen Kleinaktionären waren zuletzt sogar "Middelhoff raus"-Rufe zu hören.

Doch die lange Zeit größte Aktionärin, Madeleine Schickedanz, hielt an Middelhoff fest, den sie im Jahr 2005 als Arcandor-Chef durchgesetzt hatte. Und das obwohl Arcandor an der Börse seit Jahresbeginn 88 Prozent verloren hat und zuletzt nur noch 420 Millionen Euro wert. Die Quelle-Erbin hat 2008 etwa 1,7 Milliarden Euro mit ihrem Engagement verloren, weil sich die Arcandor-Aktie heute fast in der Gesellschaft hochspekulativer Penny-Stocks befindet.

In den vergangenen Monaten spitzte sich die Lage bei Arcandor derart zu, dass Schickedanz ihre Aktienmehrheit abgeben musste. Seither ist das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim mit knapp 30 Prozent größter Aktionär. Auch Middelhoffs neuer Mäzen hielt zunächst an der alten Besetzung fest. Doch auch die Bank sah Middelhoff zuletzt offensichtlich als Teil des Problems und sich selbst in Zugzwang, denn sie verwaltet auch das Schickedanz-Vermögen. Eine mögliche Arcandor-Pleite hätte daher auch die Bank schwer belastet.

Sal. Oppenheim fügte Middelhoff so seine bisher größte Niederlage zu - dem Mann, dessen jungenhafter Charme, dessen markantes Erscheinungsbild und dessen tadellose Haltung sowie Herkunft ihn schon in seiner Zeit bei Bertelsmann zu einem Popstar unter den grauen deutschen Managern werden ließen. Besonders beim weiblichen Publikum hat Middelhoff seit jeher viele Fans. Er hatte erst kürzlich angekündigt, seinen Vertrag bis 2009 zu verlängern, um den Warenhaus- und Touristikkonzern Arcandor zu sanieren

Auch Versandhauserbin Madeleine Schickedanz vertraute auf sein Talent und seine Erfahrung, als sie Middelhoff im Jahr 2004 in den Aufsichtsrat holt, um ihr Erbe zu retten, das größte Aktienpaket an der finanziell angeschlagenen Karstadt-Quelle AG.

Schon von der Spitze des Kontrollgremiums aus macht Middelhoff seinem Vorgänger im Amt des Vorstandschefs, Christoph Achenbach, das Leben schwer. Er ändert ständig den Text, ohne dies mit dem Darsteller abzustimmen.

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