Garantien gibt es keine
Junior-Tüten für Junganwälte

Franchise-Anbieter wollen junge Anwälte zur Gründung standardisierter Ketten-Kanzleien verlocken.

Die langwierige Ausbildung ist kaum zu Ende, da ereilt junge Juristen schon die große Ernüchterung. Weil sie mit einem mittelmäßigen Staatsexamen keine Alternative haben, machen sie sich mit einer Anwaltskanzlei selbstständig - und der Traumberuf des Rechtsanwalts wird zum Alptraum. Der Aufbau eines Büros ist kompliziert, nur wenige Mandanten lassen sich blicken, das magere Einkommen sichert kaum das Überleben.

Solch verzweifelten Juristen machen zwei Unternehmen jetzt neue Hoffnung. Legitas aus Hamburg und Janolaw aus Sulzbach wollen Deutschland mit Anwaltskanzleien überziehen und suchen dafür Rechtsanwälte als Kunden. Diese wollen sie freilich nicht anstellen, sondern als Franchise-Nehmer gewinnen. Im Klartext: Sie sollen nicht nur das Risiko eines Freiberuflers eingehen, sondern obendrein Geld abliefern und strenge Regularien befolgen. Legitas besteht bereits aus sieben Kanzleien, Janolaw will das erste Büro Ende des Jahres eröffnen. Beide Unternehmen werben mit ihrer Hilfe bei der Büroorganisation und vielen neuen Mandanten. Doch noch ist ungewiss, ob das Konzept aufgeht.

Das Rezept ist bei Fast-Food-Ketten wie McDonald's abgeschaut. Alle Rechtsanwälte sollen unter gleichem Namen auftreten, bei Janolaw sollen sich sogar die Möbel in den Kanzleien wie ein Ei dem anderen gleichen. Das Ziel: Rechtsberatung wird zum Markenartikel, die einzelnen Anwälte profitieren von einem starken Verbund. Bei Standardabläufen wie Buchhaltung, Rechnungsversand und Werbung hilft die Zentrale und kassiert dafür von den Anwälten Pauschalen oder Umsatzbeteiligung. Durch die Bekanntheit sollen die Juristen „schnell mehr verdienen als Partner in einer großen Sozietät“, behauptet Janolaw-Chef Michael Zahrt. Ein Rundum-Sorglos- Paket also, will er Glauben machen.

Denn sein Traum birgt Risiken. Für die Dienste der Mc-Law-Erfinder sollen die Juristen erst einmal Geld auf den Tisch legen: 10 000 Euro verlangt Janolaw, Legitas 2 000 Euro. Und ob die jungen Marken tatsächlich bekannt werden, den Umsatz ankurbeln und viele Mandanten in die Kanzleien locken, steht in den Sternen. Die Juristen bringen zudem ein Opfer, wenn sie ihre Eigenständigkeit aufgeben und sich dem Diktat der Zentrale unterwerfen. „Hinter diesen Geschäftsideen stehen noch viele Fragezeichen“, warnt Stephan Göcken, Sprecher der Bundesrechtsanwaltskammer.

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