Georg Duffner
Von schweren Geschossen zu leichten Autos

Georg Duffner hat die ehemalige Stahlfirma Röchling auf Kunststoff getrimmt – und Ruhe in die Reihen der Familiengesellschafter gebracht.

MANNHEIM. Das Haar über der hohen Stirn ist streng nach hinten gekämmt. Die Augen strahlen Entspannung pur aus, der Mund unter dem Schnauzbart lächelt breit. Georg Duffner, Chef des Kunststoff-Spezialisten Gebr. Röchling, ist gut drauf.

Doch es sind nicht nur gute Nachrichten, die er heute verkündet. „Wir spüren, dass der Gegenwind zunimmt“, räumt der 54-Jährige ein und meint die immer höher schießenden Öl- und Energiepreise.

Doch bei Röchling nimmt man so etwas mit einer gewissen Gelassenheit. „Wenn der Umsatz nicht so stark steigen sollte, ist das nicht so schlimm. Wir sind nicht so umsatzgetrieben“, sagt Duffner. Röchling ist eben ein Familienunternehmen und kein von Investoren gehetzter Konzern. Wer das vergisst, der wird einmal im Jahr daran erinnert – wenn Duffner Einblick gibt in das, was bei Röchling eigentlich passiert.

Und das sieht unter dem Strich so schlecht nicht aus, trotz der steigenden Energiepreise. Um immerhin 15 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro ist der um Verkäufe bereinigte Umsatz im vergangenen Jahr gestiegen. In einigen Bereichen wie den technischen Kunststoffen lag das Plus sogar noch deutlich höher. Auch auf der Ergebnisseite stimmt es, wenngleich sich Duffner hier wie viele Familienunternehmen bedeckt hält . „Wir haben unsere Ertragsstärke weiter verbessert und wollen dies auch im laufenden Jahr tun“, gibt er lediglich zu Protokoll.

„Das Unternehmen Röchling macht sehr gute Laune, den Geschäftsführern und auch den Gesellschaftern“, glaubt Duffner.

Das war nicht immer so. Als der damals 47-Jährige vor exakt sieben Jahren die Leitung der Gruppe als persönlich haftender Gesellschafter übernimmt, ist die Unruhe groß. Das Unternehmen ist ein Sammelsurium an Beteiligungen. Auf der einen Seite stehen die Frankiermaschinenfirma Francotyp-Postalia und der Telekommunikationszulieferer Detewe, beide sind wirtschaftlich angeschlagen. Auf der anderen Seite gibt es das große Aktienpaket am börsennotierten Wehrtechnikunternehmen Rheinmetall. Darüber schwebt eine zerstrittene Familie, die seit Jahren mitansehen muss, wie sie mit ihrem Kapital immer weniger verdient.

Mit Duffner änderte sich das schlagartig. Der in Freiburg geborene Manager, der zuvor beim mittelständischen Metallspezialisten Witzenmann (Pforzheim) und bei der deutschen Tochter des französischen Baukonzerns Vinci als Geschäftsführer arbeitete, achtet auf das Geld. Einmal wöchentlich müssen die Spartenleiter fortan Rapport leisten, ihre Konten offenlegen. „Duffner ist hartnäckig, lässt hier nicht locker“, berichtet ein Kollege.

Radikal hat Duffner die Familiengruppe seitdem umgebaut und auf Kunststoff konzentriert. Das Paket am Panzerbauer Rheinmetall hat er verkauft. Seitdem ist das Unternehmen schuldenfrei. Dann trennte er sich von Francotyp und Detewe. Heute liefert Röchling Kunststoffe für die Autoindustrie. Zweites Standbein sind die Hochleistungskunststoffe, zum Beispiel Profile, die hochbelastbar sind.

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