Georg Funke, Chef von Hypo Real Estate
Schlitzohr auf Einkaufstour

Vom Himmelfahrtskommando zur Erfolgsgeschichte: Georg Funke, Chef der Hypo Real Estate (HRE), hat das Unternehmen mit konsequenter Führung zurück auf die Siegerstrasse geführt. Dabei ließ er sich auch von einer herben Schlappe nicht vom Kurs abbringen, steht HRE doch nun vor dem bislang größten Coup.

MÜNCHEN. Die Nacht zum 15. November 2005 hat Georg Funke nicht vergessen. Wie er, den Füllfeder griffbereit, nur noch auf die Unterschrift unter den Vertrag zur Übernahme des Konkurrenten Eurohypo wartete. Man kennt die Geschichte, die Commerzbank machte völlig überraschend von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch, die Hypo Real Estate (HRE) und ihr Vorstandschef gingen leer aus. Bis heute kann sich Funke, der Westfale, wunderbar über diese Schlappe ärgern. In der Rückschau aber ist sie wohl eine glückliche Fügung gewesen.

Mit dem Übernahmeangebot an den Staatsfinanzierer Depfa kann die HRE auch ohne Eurohypo zur Nummer eins unter den Spezialfinanzierern werden. Gestern präsentierte sich ein leicht verschnupfter, alles in allem aber hochzufriedener HRE-Chef: „Die Akquisition der Depfa ist eine historische Chance, die strategische Weiterentwicklung unseres Konzerns schneller vorzunehmen, als dies aus eigener Kraft möglich wäre.“

Es gehört zu den problematischen Aspekten des Erfolgs, dass es den Erfolgreichen nach immer mehr gelüstet. Zweifellos ist das auch bei Georg Funke der Fall, umso mehr, als die Geschichte der HRE fast zu schön klingt, als dass sie wahr sein könnte. Denn als er mit der Hypo Real Estate im Oktober 2003 an die Börse ging, da galt das den Märkten als eine Art Himmelfahrtskommando. Es kam anders.

Befreit vom Dauerstreit in der Konzernmutter leitete Funke mit seinem überschaubaren Team eine erstaunliche Regeneration ein. Er konzentrierte die Bank aufs Geschäft in den Wachstumsmärkten im Ausland und stellte zwei Jahre lang jedes Neugeschäft in Deutschland ein, bis das Portfolio bereinigt war. Dann, Stück für Stück, begann er wieder mit dem Neugeschäft in der Heimat, baute neue Geschäftsfelder wie die Infrastrukturfinanzierung aus, organisierte den Konzern tief greifend um, kauft für Milliarden Portfolios dazu.

Westfalen hängt man gern das Attribut „knorrig“ an. Funke hat zweifellos Kanten, er kommt aus Gelsenkirchen, hat seinen Job von ganz unten auf gelernt und dann international viel Erfahrung gesammelt. Man sollte seine bisweilen zur Schau getragene Bodenständigkeit aber nicht unterschätzen. Dieser Mann gehört zu den Spitzenverdienern im Dax und bringt Schlitzohrigkeit mit.

So hat er die Verhandlungen mit der Depfa aus Dublin 18 Monate unter der Decke gehalten, obwohl Spekulationen, dass sich bei dem Staatsfinanzierer etwas tue, schon länger die Runde machten. Noch auf der HRE-Hauptversammlung im Mai 2007 bekräftigte der Vorstandschef vor 1 200 überwiegend gut gelaunten Aktionären auf die Frage nach möglichen Übernahmen: „Alles, was die HRE braucht, ist bereits im Konzern vorhanden.“ Nennt man das Flunkern? Oder gar Notlüge? Wenn diese Übernahme gelingt und ihre absehbar positiven Wirkungen zeigt, dann dürften ihm die Aktionäre sogar diese Attacke auf ihre Gutgläubigkeit verzeihen.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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