Gerd Oliver Seidensticker will das gleichnamige Textilunternehmen vom angestaubten Image befreien
Der geborene Hemdenverkäufer

So einen Sohn wünschen sich viele Unternehmer, die sich mit Nachfolgeproblemen herumschlagen: einen, der das Geschäft des Vaters fortführen möchte. Für Gerd Oliver Seidensticker ist sein Berufswunsch schon als Knirps klar: „Ich will Hemdenverkäufer werden.“

BIELEFELD. Sein Wunsch ging in Erfüllung. Seit Anfang des Jahres ist der heute 38-Jährige oberster Hemdenverkäufer seines Unternehmens und so des größten Hemdenherstellers in Deutschland. Er hat seinen Vater Gerd Seidensticker als Geschäftsführer und Gesellschafter des Bielefelder Herstellers von Herren- und Damenbekleidung abgelöst.

Der Junior ist bei Seidensticker für Herrenbekleidung – Hemden, Schlafanzüge und Pullover – verantwortlich, die rund 75 Prozent des Geschäfts ausmacht. Sein Cousin Frank Walter Seidensticker, ein Nachfahre des zweiten Familienzweigs, ist für Damenmode zuständig. Und als neutrale Instanz kümmert sich der familienfremde Manager Detlef Adler, Sprecher der Geschäftsführung, um Finanzen und Verwaltung.

„Für einen Seidensticker bietet sich der Beruf des Verkäufers förmlich an“, sagt Gerd Oliver Seidensticker und lehnt sich im Sessel entspannt zurück. „Mit dem bekannten Namen hat man im Markt deutliche Vorteile.“ Mit seinem verbindlich-freundlichen Blick, dem beigefarbenen Anzug, den er an diesem Tag trägt, und dem offenen Hemd würde er gut in den Laden eines modernen Herrenausstatters passen.

Am kommenden Sonntag ist er als Verkäufer besonders gefragt. Wenn die halbjährliche Modemesse CPD in Düsseldorf startet, steht er selbst drei Tage lang von früh bis spät an den Ständen seiner Marken Dornbusch, Seidensticker, Redford und Jacques Britt: Kontakte knüpfen, Kollektionen präsentieren.

Da gibt es einiges aufzuholen. In den vergangenen Jahren, so lässt er durchblicken, sei die Kundenpflege etwas zu kurz gekommen. Seine Vorgänger als Marketing- und Vertriebschefs waren familienfremde Manager, die sich zu sehr um Konzepte und zu wenig ums Verkaufen gekümmert haben. Und der Auftritt des Chefs kommt an. „Natürlich spreche ich lieber mit einem Herrn Seidensticker als mit einem anderen Manager“, heißt es bei Peek & Cloppenburg, dem größten Handelspartner in Deutschland.

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