Gerd T. Becht, Daimler AG
Zetsches Mann für Recht und Ordnung

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche verstärkt personell den Kampf gegen Korruption. Das Unternehmen berief am Montag den 56 Jahre alten Chef-Justiziar Gerd T. Becht ab 1. März auf die neu geschaffene Position eines Chief Compliance Officers (CCO).

FRANKFURT. Die neue Aufgabe wird direkt unterhalb der Vorstandsebene angesiedelt und soll die „Selbstkontrolle im Hinblick auf ethisch einwandfreie Unternehmensführung stärken“, sagte eine Daimler-Sprecherin.

Nach dem Siemens-Konzern richtet damit auch der ins Visier der US-Finanzaufsicht SEC gerückte Daimler-Konzern eine eigene Position für diese Aufgabe ein. Siemens hatte im Zuge der Korruptionsaffäre im vergangenen September für den 52-Jährigen Peter Solmssen eine solche Stelle geschaffen und ihm sogar Vorstandsrang eingeräumt.

Nun setzt auch Daimler ein klares Signal, dass es das Unternehmen mit der Korruptionsbekämpfung in den eigenen Reihen ernst meint. Eine demonstrative Geste, die sicher auch eine Botschaft an die US-Finanzaufsicht vermitteln soll. Steht der neue Chief Compliance Officer doch auch dafür, dass Daimler die seit Jahren laufenden Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC wegen Schmiergeldzahlungen und schwarzer Konten zu einem für beide Seiten akzeptablen Ende führen möchte.

Die Amerikaner entdeckten zahlreiche schwarze Konten, die für Bestechungszahlungen in Afrika, Asien und Osteuropa genutzt worden waren. Zusätzlich deckten die Ermittler Steuerhinterziehungen in Millionenhöhe bei Auslandsmitarbeitern auf.

Daimler hatte die Vorwürfe zwar bereits eingeräumt. Doch über die Konsequenzen wird noch verhandelt. Neben einer saftigen Strafzahlung könnte die SEC darauf pochen, dauerhaft einen externen Kontrolleur einzusetzen. Dieser Forderung versucht der Stuttgarter Autokonzern jetzt mit dem eigenen Kontrolleur entgegenzukommen.

Mit Becht hat Daimler einen interessanten Kopf für diese knifflige Aufgabe gefunden. Der in Frankfurt geborene Jurist verfügt über reichlich internationale Erfahrung. So ist er aus seiner Zeit in der US-Kanzlei Ballard, Spahr, Andrews & Ingersoll mit dem US-Recht vertraut und kennt als ehemaliger Leiter der Rechtsabteilung von General Motors in Europa, die er von 2000 bis 2006 führte, auch das Innenleben der US-Autokonzerne gut. Schließlich gelten die USA als vorbildlich in Sachen Compliance. Im Juni 2006 kam Becht als Vice President der Rechtsabteilung zum damaligen Daimler-Chrysler-Konzern. Ex-Mitarbeiter beschreiben ihn als ruhig und sachlich. „Er ist faktenorientiert und kein Polterer“, sagt ein früherer Kollege.

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