Gerhard Cromme
Alles andere als amtsmüde

Im nächsten Jahr bestimmt die Hauptversammlung von Siemens einen neuen Aufsichtsratschef. Und es sieht so aus, als ob Gerhard Cromme den Job noch weitermachen will. Amtsmüde ist der 69-Jährige jedenfalls noch nicht.
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München/FrankfurtEs gab schon schönere Sitzungen des Siemens-Aufsichtsrats für Gerhard Cromme. Gestern berichtete Vorstandschef Peter Löscher den Kontrolleuren, dass die Geschäfte schwieriger geworden sind. Die Auftragseingänge gehen zurück, die Prognose ist in Gefahr. Die Herausforderungen für Siemens also sind groß - und einiges deutet darauf hin, dass Cromme weiter als Aufsichtsratschef seinen Teil dazu beitragen will, diese zu stemmen.

"Er ist nicht amtsmüde. Er hat Lust auf die Aufgabe", hieß es gestern im Umfeld des Aufsichtsrats. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, Cromme suche einen Nachfolger für sich. Der Hintergrund: Bei der Siemens-Hauptversammlung wird 2013 der Aufsichtsrat neu gewählt. Nach aktuellem Stand müssen bis zu drei neue Kontrolleure für die Kapitalseite gefunden werden.

Der Nominierungsausschuss um Cromme traf sich nach Handelsblatt-Informationen bereits fünfmal, um die Vorschlagsliste zu erarbeiten. Auch wenn Cromme für Überraschungen gut ist: Nach aktuellem Stand wird auf dieser auch sein Name stehen. Der Strippenzieher - manchen scheint er im Verhältnis zu Löscher gar zu dominant - will zwar erst mit allen Beteiligten sprechen.

Doch mit Widerstand ist nicht zu rechnen. "Er macht ja einen ordentlichen Job", sagt ein Arbeitnehmervertreter. Auch die Familie Siemens steht hinter Cromme. Es hat sogar eine Satzungsänderung gegeben, damit er auch über das 70. Lebensjahr hinaus bleiben kann. Vorstellbar aber ist, sagt einer aus dem Umfeld, dass der 69-Jährige nicht noch einmal eine volle Amtsperiode dranhängt.

Er will als Chef der Krupp-Stiftung eines Tages auf den legendären Berthold Beitz, 98 Jahre, folgen. Sollte Cromme den Stiftungsvorsitz übernehmen, müsste er sein Amt bei Siemens niederlegen, so soll es in der Satzung der Stiftung stehen. Doch wenn Cromme bei Siemens bleiben wollte, fände er wohl auch da eine Lösung.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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