Gerlach und Breuer
Die heimlichen Retter der WestLB

Bei den Verhandlungen über die Sanierung der Landesbank präsentieren sich die beiden Präsidenten der regionalen Sparkassenverbände als kongeniales Duo. In Marathonsitzungen rangen sie mit der Bundesregierung, der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und dem Bankenrettungsfonds um eine Auffanglösung.
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FRANKFURT. Es war die bislang wohl wichtigste Schlacht für die Sparkassen: Rolf Gerlach und Michael Breuer, die regionalen Verbandspräsidenten aus Westfalen-Lippe und dem Rheinland, waren in den vergangenen Wochen bei der taumelnden WestLB gefordert wie nie zuvor. In Marathonsitzungen rangen sie mit der Bundesregierung, der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen und dem Bankenrettungsfonds Soffin um eine Auffanglösung für die Landesbank. Ihre Mission war klar: kein frisches Geld für das Fass ohne Boden, das schon Milliarden verschlungen hat. Aber wie schon so oft in der traurigen Historie des Niedergangs der WestLB, ging auch der jetzt am Dienstag mühsam gefundene Kompromiss mit dem gewohnten Resultat aus: "Es gibt bei der Bank keine Gewinner oder Verlierer - nur Zahler", sagte gestern ein Verhandlungsteilnehmer.

Das Fenster für den Ausstieg aus der WestLB steht offen

Gerlach und Breuer besitzen zwar über ihre Verbände eine knappe Mehrheit an der WestLB. Allerdings mussten sie immer wieder erkennen, dass sie damit trotzdem nicht das Sagen haben, sondern die Politik den Takt vorgibt, auch wenn das Land nur 38 Prozent hält. Deshalb suchen beide auch angestrengt nach einem "Exit" aus dem verlustträchtigen öffentlich-rechtlichen Institut, und über den Einstieg des Bundes eröffnete sich beiden jetzt diese wohl einmalige Gelegenheit. Aber der Bund machte auch schnell klar, dass es diese Lösung nicht zum Nulltarif gibt. Zwar werden die Sparkassen bei den erwarteten Verlusten in der Bad Bank der WestLB relativ gering belastet, für die Abdeckung möglicher "unerwarteter Verluste" stehen sie aber mit bis zu vier Mrd. Euro viel stärker im Feuer als bisher erwartet worden war.

In den Verhandlungen traten beide als "kongeniales Duo" auf, wie es ein Beobachter formulierte. "Gerlach schoss mit seinen Maximalforderungen öfter über das Ziel hinaus, Breuer moderierte dann die Spitzen wieder weg", sagte ein an den Gesprächen Beteiligter. Das offizielle Argument der beiden, die Landesbanksanierung dürfe nicht die Kreditversorgung beeinträchtigen, zog im hochprofessionellen Verhandlungskreis nur mäßig. "Die Sparkassen wollten aus der Eigentümerverantwortung heraus, aber wir haben das nicht zugelassen", sagte ein Vertreter des Bundes.

Rein äußerlich geben Gerlach und Breuer ein ungleiches Paar ab. Der Westfale wirkt neben dem Rheinländer wie ein Hüne, der eine tritt raumgreifend auf, der andere mit sichernden Blicken nach links und rechts. Beide sind an einem 2. Oktober geboren, beide sind verheiratet und zweifache Väter. Breuer schlug nach seiner Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer eine Politkarriere ein und war zuletzt Europaminister unter Landesvater Jürgen Rüttgers (CDU), bevor er Anfang 2008 an die Spitze der rheinischen Sparkassen wechselte. Gerlach absolvierte eine Lehre als Bankkaufmann und arbeitete sich nach Studium und Promotion 1995 bis auf den Präsidentensessel in Münster nach oben.

Die nächste Feuerprobe kommt schon 2010

Gerlach kennt die "Organisation" bis in die letzten Winkel, ihm werden seit langem Ambitionen auf den bundesweiten Job des Sparkassenpräsidenten in Berlin nachgesagt, zumal die beiden Regionalverbände in NRW auf Drängen von Finanzminister Helmut Linssen (CDU) spätestens in zwei Jahren fusionieren müssen. Als "Stockfehler" bewerten aber auch Beobachter im eigenen Lager seine Klage gegen den EU-Beihilfebescheid - die mitten in die Berliner Runde platzte. "Das war nicht hilfreich", meinte ein Insider. Gerlach und Breuer können jetzt zunächst einmal durchatmen, der eine geht vielleicht durch seinen Waldbestand, der andere fiebert einem Sieg von Borussia Mönchengladbach entgegen. Viel Zeit für Muße wird aber kaum bleiben. Denn 2010 wird sich beim Verkauf zeigen, was die WestLB wirklich noch wert ist.

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