Gewerkschaften
Neue IG-Metall-Spitze startet mit breiter Rückendeckung

Der reformorientierte Berthold Huber ist mit dem besten Ergebnis eines IG-Metall-Chefs seit 35 Jahren an die Spitze von Europas größter Industriegewerkschaft gewählt worden. Sein Stellvertreter Detlef Wetzel aus Nordrhein-Westfalen kam ebenfalls mit einem respektablen Ergebnis ins Amt.

HB LEIPZIG. Für Huber, der bisher stellvertretender Vorsitzender war, stimmten am Dienstag auf dem Leipziger Gewerkschaftstag 92,6 Prozent der Delegierten. Sein Vize, der von Huber favorisierte Bezirkschef von Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel, erhielt mit 87,4 Prozent ebenfalls ein respektables Ergebnis. Huber sagte nach seiner Wahl: „Ich werte das Ergebnis als das Bemühen der gesamten IG Metall, einmütig und geschlossen die Arbeitnehmerinteressen zu vertreten.“

Nach dem verlorenen Streik für kürzere Arbeitszeiten in Ostdeutschland hatte sich Jürgen Peters vor vier Jahren verpflichtet, den Vorsitz der IG Metall nach nur einer Amtszeit abzugeben. Er erhielt damals mit 66 Prozent ein denkbar schlechtes Votum. Huber als Konkurrent um die Nachfolge des abgetretenen Gewerkschaftschefs Klaus Zwickel, wurde damals mit 67 Prozent zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Die Vereinbarung zwischen beiden bewahrte die mit 2,3 Millionen Mitgliedern größte Gewerkschaft vor Spaltung. Zwickel hatte bei seiner Wiederwahl 1995 mit 92,4 Prozent ein ähnlich hohes Ergebnis bekommen nun wie Huber.

Die knapp 500 Delegierten zollten Peters nach seiner letzten Rede als Vorsitzender stehend Applaus. Er rief die IG Metall auf, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. „Die Abwehrkämpfe um Arbeitsplätze, Standorte und Tarifstandards werden wir nur gewinnen, wenn wir eine breite und aktive Beteiligung der Mitglieder sicherstellen.“ Peters mahnte, nicht leichtfertig Regelungen aus dem Flächentarifvertrag in die Betriebe zu verlagern.

Unter Huber als zuständigem Tarifpolitiker im Vorstand und Ex-Bezirksleiter von Baden-Württemberg wurde 2004 das „Pforzheimer Abkommen“ geschlossen. Danach dürfen Firmen unter bestimmten Bedingungen von Tarifstandards abweichen. Das Abkommen wurde von vielen Unternehmen genutzt und gilt als Erfolgsmodell für Restrukturierungen in der Metall- und Elektrobranche. Um den Mitgliederschwund zu stoppen, will Huber künftig stärker auch Angestellte und Ingenieure gewinnen.

Der Nominierung für den neuen Vorstand waren langwierige Diskussionen vorangegangen. Als Alternative zu Wetzel hatte Niedersachsens Bezirkschef Hartmut Meine gegolten, der Vertrauter von Peters und ausgewiesener Tariffachmann ist. Peters war lange selbst Bezirkschef in Niedersachsen, bevor er in die IG-Metall-Zentrale nach Frankfurt wechselte.

Als Ausgleich für das größere Gewicht der Reformer an der IG-Metall-Spitze sollten die Delegierten Helga Schwitzer aus Niedersachsen in den Vorstand wählen. Zusätzlich gestärkt werden solltee das linke Lager durch Peters engen Vertrauten Hans-Jürgen Urban.

Zur Wiederwahl war Regina Görner vorgeschlagen, die als Vertreterin der CDU im siebenköpfigen Vorstand sitzt, sowie Wolfgang Rhode. Bertin Eichler sollte ebenfalls für eine weitere Amtszeit Hauptkassierer bleiben.

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