Gewerkschaften
Wetzel empfiehlt sich für IG-Metall-Führung

Der Mann empfiehlt sich für höhere Aufgaben: Nach dem Pilotabschluss in der Metallbranche hat der nordrhein-westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Detlef Wetzel nun für die Stahlkocher 3,8 Prozent mehr Lohn durchgesetzt. Mit jedem Abschluss steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der 53-Jährige an die Spitze der Gewerkschaft aufsteigt.

HB DÜSSELDORF. Als Gewerkschafter alter Schule geht der graubärtige, groß gewachsene Zigarillo-Raucher dabei nicht durch. Immer wieder verstand der gelernte Werkzeugmacher, Abschlüsse um neue Elemente zu bereichern - und hat sich damit auch im Lager der Arbeitgeber großen Respekt verschafft.

In den Tarifverhandlungen für die Metallbranche im April stimmte Wetzel so neben einer dreiprozentigen Lohnerhöhung erstmals Einmalzahlungen zu, die sich an der wirtschaftlichen Lage der Betriebe orientieren. Sie können also, wenn es dem Unternehmen schlecht geht, auch gekürzt werden. Und in der Stahltarifrunde setzte er eine Lösung durch, die „Beschäftigungsperspektiven für altersgerechtes Arbeiten“ aufzeigen soll. Damit habe die Gewerkschaft, lobte sich Wetzel, „tarifpolitisches Neuland“ betreten.

Hintergrund der Forderung ist die demographische Entwicklung - der Anteil älterer Mitarbeiter in den Belegschaften steigt immer weiter an. Wetzel will erreichen, dass ältere Stahlkocher länger und gesünder im Arbeitsleben gehalten werden können. Dazu könnten Betriebsvereinbarungen zu den Themen Gestaltung der Arbeitszeit, Personalplanung und Qualifizierung geschlossen werden.

Wetzels Strategie, über den Tellerrand reiner Lohnforderungen hinauszublicken - er startete etwa auch die Kampagne „Besser statt billiger“ - zeigt auch in seinem Bezirk Wirkung. 2005 konnte er dort den Trend sinkender Mitgliederzahlen brechen und eine ausgeglichene Bilanz vorlegen.

Solche Ergebnisse bleiben auch in der Frankfurter Zentrale der IG Metall nicht unbemerkt. So gilt der Hobby-Imker aus dem Sauerland bereits als Kandidat für den Posten als zweiter Vorsitzender der Gewerkschaft. Voraussetzung dafür ist aber, dass Gewerkschaftschef Jürgen Peters 2007 tatsächlich sein Amt an seinen bisherigen Vize Berthold Huber abgibt. Wetzel kann sich dann vor der entscheidenden Sitzung im Herbst nächsten Jahres mit einem weiteren Metall-Tarifabschluss empfehlen: Die neue Verhandlungsrunde für die Branche beginnt zum Jahreswechsel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%