GfK-Aufsichtsratschef Riesenbeck
Ein Mann gegen Nürnberg

Die Nürnberger meckern gern: über den Abstieg ihres "Clubs" in die zweite Liga, die Arroganz der Landeshauptstadt München, den wirtschaftlichen Niedergang ihrer Stadt. Richtig sauer werden die Mittelfranken aber, wenn man sie ärgert. Genau das tut Hajo Riesenbeck.

MÜNCHEN. Der Aufsichtsratschef der GfK ist die treibende Kraft hinter der Fusion des Nürnberger Marktforschers mit dem englischen Rivalen TNS. Die fränkische Metropole würde dann eines ihrer letzten bekannten Unternehmen verlieren: Die Zentrale des neuen Konzerns läge in London.

Grundig ist längst pleite, das AEG-Werk geschlossen, Quelle nur ein Schatten früherer Zeiten. Kein Wunder, dass viele Nürnberger Riesenbeck am liebsten aus ihrer Stadt jagen würden. Doch obwohl der Widerstand täglich wächst, treibt der 57-Jährige die Fusionspläne mit aller Macht voran.

Vergangenen Donnerstag errang er einen Etappensieg: Der Verwaltungsrat des GfK-Vereins, des GfK-Mehrheitseigentümers, stimmte dem Vorhaben zu. Knapp soll es gewesen sein, heißt es. Damit ist die Fusion noch nicht durch: Die TNS-Aktionäre und die Mitglieder des GfK-Vereins müssen noch zustimmen - kein Spaziergang. Außerdem hat der Werbekonzern WPP ein Gegenangebot für TNS vorgelegt.

"Kalt" sei Riesenbeck, erzählt einer, der ihn jüngst auf einer Betriebsversammlung erlebt hat, so, als würden ihn die Mitarbeiter der GfK nicht interessieren. Nach der Veranstaltung soll er sich sogar beim Betriebsrat beschwert haben, dass er keinen Applaus erhalten habe, heißt es aus Kreisen der Beschäftigten.

Einen ähnlichen Eindruck hinterließ er auf der Hauptversammlung im Mai. GfK-Chef Klaus Wübbenhorst war den Tränen nahe, als er seine Rede vor den Aktionären beendet hatte - vielleicht war es seine letzte in dieser Funktion. Nicht so Riesenbeck: Ohne erkennbare Gefühlsregung brachte er die Veranstaltung hinter sich.

Im Umfeld der GfK heißt es, Wübbenhorst habe entgegen seiner öffentlichen Äußerungen die Fusion stets skeptisch gesehen. Für Riesenbeck wäre sie dagegen die Krönung seiner Karriere: Er rückte an die Spitze des Verwaltungsrats der Gruppe mit dann 2,7 Milliarden Euro Umsatz und 24 000 Beschäftigten. Wübbenhorst würde nur als Vertreter des GfK-Vereins in das Board einziehen.

Die Widerstände scheint Riesenbeck unterschätzt zu haben. In einem Interview zeigte er jüngst ungewohnte Emotionen. Es frustriere ihn, dass er die Menschen mit seinen Argumenten für den Zusammenschluss nicht überzeugen könne, sagte er der "Nürnberger Zeitung". Sowohl die Stadt Nürnberg als auch der Freistaat Bayern, beide Mitglieder im GfK-Verein, wollen auf der entscheidenden außerordentlichen Mitgliederversammlung am 21. Juli aus Angst um die Arbeitsplätze dagegen stimmen.

Sollten die Vereinsmitglieder die Fusion platzen lassen, würde er zurücktreten, sagte Riesenbeck: "Dann müsste ich mich fragen, ob ich noch der richtige Mann bin." Viele Nürnberger würden diese Frage ohnehin verneinen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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