Guillaume Pepy, SNCF
Der Prellbock

Mit unermüdlichem Einsatz hat es Guillaume Pepy erreicht, zum Chef der französischen Staatsbahn SNCF befördert zu werden. Dabei hat Pepy zwar einerseits bereits schwierige Aufgaben bewältigt, andererseits ist er nicht unumstritten – und die größte Probe steht ihm noch bevor.

PARIS. Großer Bahnhof in La Rochelle: Für den neuen Schnellzug AGV hat der französische Industriekonzern Alstom seine Fertigungshalle eigens mit dunkelblauem Teppichboden ausgeschlagen. In Stoff gehüllt sind auch die Holzwände, die dem VIP-Bereich ein edles Aussehen verleihen sollen.

Denn an diesem windigen Februartag tummeln sich im bekannten Badeort an der Atlantikküste reichlich VIPs: Sogar Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist zur AGV-Einweihung gekommen. Auch Anne-Marie Idrac, Präsidentin der Staatsbahn SNCF, ist angereist.

Mit von der Partie: ihre Nummer zwei, Guillaume Pepy. Der machtbewusste Bahnmanager will diesen medienwirksamen Termin nicht Idrac alleine überlassen. Im Foyer gibt er Journalisten Interviews im Minutentakt.

Pepy zeigt indes nicht nur bei solchen Schnittchen-Terminen Flagge. Als im November die Gewerkschaften gegen die Rentenreform streiken, steht Pepy morgens um halb sieben am Bahnsteig des Pariser Bahnhofs Saint-Lazaire und besänftigt wütende Berufspendler.

Sein Einsatz zahlt sich nun aus: Montag berief ihn der Verwaltungsrat der SNCF an die Spitze des Unternehmens. Heute wird seine Beförderung bei einer Kabinettssitzung der Regierung besiegelt. Pepy verdrängt damit seine Ex-Chefin Idrac nach nur 20 Monaten an der Spitze des staatlichen Bahnkonzerns, der inklusive Töchter rund 24 Milliarden Euro umsetzt und 200 000 Leute beschäftigt. „Er ist der Beste, um die anstehende Modernisierung der SNCF umzusetzen“, begründet Sarkozy seine Wahl.

„Die SNCF, das ist der Job meines Lebens“, hatte Pepy einmal gesagt. Zweimal hatte er die Staatsbahn im Laufe seiner Karriere verlassen; zweimal ist er zurückgekommen. Ein Bilderbuch-Job ist der Chefposten der Staatsbahn für den Comic-Liebhaber aber dennoch nicht. Die Regierung will schnelle Erfolge bei der Sanierung der tief defizitären Frachtsparte sehen. Gleichzeitig laufen noch die hochbrisanten Diskussionen mit den Gewerkschaften über die Reform der Rentenkassen. Und Pepy muss die SNCF fit machen für die Zeit, wenn der Personenverkehr ab 2010 für den Wettbewerb geöffnet wird.

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