Hakan Samuelsson
MAN-Vorstandschef: Kühner Schwede

Hakan Samuelsson ist ein Mann, der eigentlich nichts dem Zufall überlässt. Der 55-jährige MAN-Chef redet ruhig, langsam und spart sich überflüssige Worte. Damit entspricht er nur vordergründig dem Etikett „des Kühlen aus dem Norden“.

STUTTGART. Eine Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat bescheinigte ihm mal die „Sturheit eines Elches“, wenn er ein Ziel verfolgt. Mit beiden nicht gerade charmanten Vergleichen ist der Manager aus Schweden mit dem etwas scheuen Blick aber gut gefahren. Denn er gilt als guter Zuhörer, aber auch schneller Entscheider.

Seit er vor sechs Jahren seinem Heimatland den Rücken kehrte und von Scania zum MAN-Konzern nach München wechselte, ging es für ihn steil bergauf. Mit der Sanierung der wichtigen Nutzfahrzeugsparte erwarb er sich die Meriten für den Chefsessel, den er Anfang 2005 von seinem Vorgänger Rudolf Rupprecht übernahm. Bei der defizitären Bus-sparte fackelte er nicht lange und verlegte Teile der Produktion ins Ausland. Seine Argumente gegenüber den Arbeitnehmern sind einfach, aber knallhart: „Wenn Scania in einem Land wie Schweden 20 Prozent geringere Produktionskosten hat als MAN, dann geht das nicht, dann müssen wir was tun.“

Seit der Schwede an der Spitze steht, ist bei MAN nichts mehr, wie es war. Erst stieg der Versicherungskonzern Allianz als Großaktionär aus. Samuelsson stellte sich von da an mutig dem Kapitalmarkt, ohne Angst vor Beteiligungsunternehmen. „Die helfen uns, die Dinge intern schneller voranzubringen“, kommentierte er.

Anfängliche Bekenntnisse zur alten Konzernstruktur vergaß er schnell: Die Drucksparte gliederte er aus. Samuelsson verfolgte von Anfang an den Plan, MAN auf Nutzfahrzeuge, Dieselmotoren und Turbomaschinen auszurichten. Konsequent hat er dies Ziel mit der ihm zugeschriebenen Beharrlichkeit verfolgt. Zweifellos hat er bei MAN mit seiner Strategie, alle Konzernbereiche an der Rendite zu messen, viel bewegt. Aber die Fokussierung auf Nutzfahrzeuge hat ihn in die Bredouille gebracht. Er hat eine volle Kriegskasse und ist in seinem Kerngeschäftsfeld zum Wachstum verdammt, will er die im Weltmarkt führenden Konzerne Daimler-Chrysler und Volvo nicht aus den Augen verlieren.

Nicht über die Schmerzgrenze hinaus

Geht der jetzt angezettelte Kampf um Scania verloren, droht Samuelsson der erste große Knick seiner MAN-Karriere. Denn Alternativen sind Mangelware, es sei denn, Samuelsson will sich einen Sanierungsfall einhandeln. Aber dazu ist der Schwede zu vorsichtig. Deshalb hat er sich jetzt an die renditestarke Scania herangepirscht – nicht vorsichtig genug, wie sich jetzt herausstellt. Scania kennt der studierte Maschinenbauer sehr gut. Schließlich hat er dort zuvor seine gesamte Laufbahn, zuletzt als Produktionschef, verbracht.

Aber Samuelsson ist nicht nur Ingenieur, sondern auch ein kühler Rechner. Er weiß genau, was Scania wert ist und wie viel er zahlen will. Über eine gewisse Schmerzgrenze würde er nie hinausgehen. Schon einmal hat er gezeigt, dass er keine symbolischen Preise zahlt. Beim Poker um den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen stieg er aus, als die Beteiligungsunternehmen die Preise in die Höhe trieben. Das Renditeziel für den Konzern wäre bei einem Kauf auf Jahre außer Sichtweite geraten. Da macht er dem ungeliebten Tiervergleich alle Ehre: Elche haben zwar keine natürlichen Feinde, aber lebensbedrohliche Risiken meiden sie instinktiv und verschwinden lieber im Dickicht.

Den jetzigen Preisanstieg der Scania-Aktie dürfte Samuelsson noch einkalkuliert haben. Nun kommt es darauf an, wie hoch der Preis über das selbst gesteckte Ziel hinausschießt. Samuelsson ist nicht der Typ, der mal kurz den Markt testet. Er meint es ernst, aber eben nicht zu jedem Preis. So gesehen ist er nicht gerade ein geborener Poker-Spieler. Schon einmal wollte er eine Fusion, die nicht zu Stande kam. Ende der 90er-Jahre versuchte Scania, bei Volvo einzusteigen. Letztlich als Konsequenz aus dem Scheitern verließ Samuelsson Scania.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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