Handelsblatt-Serie Wirtschaftsanwälte
Geburtshelfer, Lobbyist und Lehrer

Er ist ungewöhnlich locker für einen aus der Riege von Deutschlands Topadvokaten: Medienjurist Johannes Kreile. Vielleicht liegt es an der bunten Branche, in der Kreile arbeitet. Kreile berät junge TV-Sender und kämpft leidenschaftlich für die Film- und Fernsehproduzenten im Lande.

MÜNCHEN. Der Mann hat Humor: „... im Sternzeichen der Fische geboren (glaubt aber nicht an Astrologie!). Habe nun ach, Juristerei ... und noch dazu Betriebswirtschaft und Theaterwissenschaften studiert ... Das Recht war das Spannendste.“ So stellt sich Medienjurist Johannes Kreile im Internet vor. Ungewöhnlich locker für einen Topadvokaten. Der 49-Jährige mit den markanten schwarzen Augenbrauen bewegt sich ausschließlich in der Film- und Fernsehbranche – und da auf fast allen Ebenen.

Johannes Kreile ist als Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fernsehproduzenten und der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten einerseits Lobbyist. Andererseits ist er Geburtshelfer von Fernsehsendern wie Neun Live und Deutschem Sportfernsehen (DSF) und hat Sender wie Pro Sieben Sat 1 und RTL 2 beraten. Und er arbeitet als Medienrechtler an so komplizierten, trockenen Werken wie dem Rundfunkstaatsvertrag.

Wer ihn in der Münchener Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz besucht, wird in das palaisartige Konferenzzentrum in der feinen Brienner Straße geführt, einen Steinwurf vom Königsplatz entfernt. Marmor und edles Interieur erinnern mehr an ein Boutique-Hotel der Fünf-Sterne-Kategorie als an eine Anwaltskanzlei. Hier haben sich irgendwann alle Großen des Mediengeschäfts die Klinke in die Hand gegeben. „Ich wüsste gar keinen Medienunternehmer, mit dem er nicht ein Mandantenverhältnis hatte oder hat“, berichtet Wolfram Winter, Chef der Satellitenplattform Premiere Sky. Als Ex-Deutschlandchef des Medienkonzerns NBC Universal hat er beim jahrelangen Streit um Filmrechte mit Premiere auf Kreiles Fachwissen zurückgegriffen.

Kreiles Geschäft floriert – wieder. Vor fünf Jahren brach für Kreile und seine Medienjuristen-Kollegen eine Welt zusammen. Am 8. April 2002 stellte Medienunternehmer Leo Kirch für seine Holding Kirch Media den Antrag auf Insolvenz. Das war ein schwerer Schlag für Johannes Kreile – sowohl persönlich als auch geschäftlich. Denn sein Aufstieg ist eng mit dem von Kirch verbunden.

Kirch, der fränkische Winzersohn, hatte seit der Einführung des Privatfernsehens Mitte der achtziger Jahre ein Imperium aus Sendern, Filmfirmen, Rechtebibliothek und Handelsfirmen gegründet. Für Juristen, die sich wie Kreile im Medienrecht auskannten und über das nötige politische Feingefühl verfügten, gab es viel Arbeit. Im Frühjahr 2002 nahm das Ende des Kirch-Reiches seinen Anfang. „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen“, sagt der katholische Unternehmer Leo Kirch dazu lakonisch.

Für Kreile und seine Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz bedeutete die Pleite einen tiefen Einschnitt. „Wir hatten damals einen deutlichen Umsatzeinbruch. Vier Jahre haben wir gebraucht, um die Verluste zu kompensieren“, berichtet der Jurist.

Die engen Verbindungen zu Leo Kirch sind unterdessen nie abgerissen: „Ich treffe Herrn Dr. Kirch“, wie er ihn respektvoll nennt, „ immer mal wieder bei privaten Anlässen. Ich habe zu ihm sein sehr gutes Verhältnis.“ Auf Kirch, den visionären Medienunternehmer, der vor allem an seinen Milliardenverlusten im Bezahlfernsehen scheiterte, lässt Kreile nichts kommen. „Wir sind damals auch emotional sehr getroffen worden“, erinnert er sich an die Pleite.

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