Handelsblatt-Umfrage Top-50-Kanzleien: Abwerben guter Leute wird Methode
Klienten fordern verstärkt Erfolgshonorar

Verstecken gilt nicht mehr. Anwälten gelingt es immer seltener, sich hinter Gesetzen, Standesrecht und Gebührenordnung zu verschanzen - um letztlich ihre Pfründe zu sichern. Den Top-Kanzleien bläst der harte Wind des Wettbewerbs ins Gesicht. Sie sind auf dem besten Wege, Dienstleister zu werden. So wie andere Unternehmen auch.

DÜSSELDORF. Die neue Handelsblatt-Umfrage unter den Top-50-Kanzleien in Deutschland (Basis: Juve Handbuch Wirtschaftskanzleien 2004/05, Antwortquote 60 Prozent) belegt dies: Jeder zweite Mandant verlangt von den Juristen Honorare, die sich - auch - am Erfolg ihrer Arbeit orientieren. Und bei 32 Prozent der Kanzleien kommen die Firmenkunden damit auch durch. "Die Nachfrage der Mandanten nach erfolgsabhängiger Vergütung wächst fast täglich", weiß Tobias Bürgers, Sprecher der Partner bei Nörr Stiefenhofer Lutz. Zwar sind Erfolgshonorare nach US-Muster hier nicht zulässig. Doch wo kein Kläger, da kein Richter. Und: "Im Nachhinein darf man jede Vereinbarung treffen", urteilt Michael Kliemt, Chef der gleichnamigen Düsseldorfer Arbeitsrechtskanzlei.

Und umgekehrt heißt es ausgerechnet aus den zwei deutschen unter den Top-Ten-Kanzleien - Hengeler oder Gleiss - souverän, dass sie das Honorar ohnehin bei Mandatsende aushandeln (Hengeler) und sich "daran orientieren, welchen Wert die Sache für den Mandanten hat", wie es Jobst Bauer-Hubertus von Gleiss auf den Punkt bringt.

Gestiegen sind die Stundenhonorare. Partner kassieren im Schnitt 400 Euro die Stunde (2003: 370 Euro), angestellte Anwälte 265 Euro (2003: 225 Euro). Das bedeutet eine Steigerung um acht Prozent bei den Partnern und 18 Prozent bei den angestellten Juristen. 80 Prozent der Top-Adressen vermelden höhere Umsätze - freilich ohne diese zu beziffern. Einzig die Kanzlei Rödl & Partner aus Nürnberg mit 2 350 Mitarbeitern verkündet Umsatzzahlen - und dieses Recht musste sie sich erst gerichtlich erstreiten: 2004 waren es 151,4 Millionen Euro. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch die anderen Großkanzleien diesen Mut aufbringen. Etliche angloamerikanische Sozietäten verkünden zwar ihren Welt-Umsatz, verraten aber keine Deutschland-Zahlen. Beispiel: Die größte Kanzlei weltweit, Clifford Chance, macht 1,38 Milliarden Euro Umsatz mit 3 300 Anwälten.

Dass die Bundesliga-Kanzleien jedenfalls keine Not leiden, zeigt auch dies: Bei fast 80 Prozent hat sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Knapp die Hälfte beabsichtigt auch, weitere Juristen einzustellen. Die andere Hälfte will diese Zahl zumindest konstant halten.

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