Handelskonzern
Otto Beisheim: Mister Metro

Unternehmensgründer Otto Beisheim stieg vom Lehrling zum mehrfachen Milliardär auf. Ohne Abitur, ohne Studium, ohne Startkapital. Am Freitag kündigte er seinen Vertrag mit den Gesellschaftern Haniel und Schmidt-Ruthenbeck. Was sich hinter dem Schritt verbirgt, ist unklar. Grund genug für ausgiebige Spekulationen.

DÜSSELDORF. Es gibt viele Otto Beisheims. Den, der penibel darauf achtet, die Öffentlichkeit zu meiden, und denjenigen, dem egal ist, ob man ihn erkennt, der sich auf sein Elektrorad setzt und durchs Tegernseer Tal in die Eisdiele flitzt. Oder den, der seit Ewigkeiten mit dem Handelskonzern Metro verheiratet scheint und niemals an Scheidung gedacht hat. Seit Freitag ist nicht mehr sicher, ob es diesen letzten Otto Beisheim noch gibt.

Schuld ist eine Erklärung. Beisheim teilte mit, dass er die Pool-Vereinbarung mit den anderen beiden Gründungsgesellschafterstämmen Haniel und Schmidt-Ruthenbeck aufgekündigt habe, zum 1. Oktober. Die Vereinbarung regelt, dass die Familien ihre Stimmrechte gemeinsam ausüben. Zum Beispiel bedeutet das, dass Beisheim bisher seinen 18,5-Prozent-Anteil an Metro nicht ohne die Zustimmung der anderen Gründungsgesellschafter verkaufen darf. Demnächst ist Beisheim frei zu handeln, kann er kaufen, verkaufen, ganz nach Belieben. Sein Schritt hat daher wilde Spekulationen darüber ausgelöst, was das für Metro bedeutet.

Erich Greipel, Beisheims Statthalter, der seinem Chef seit Jahren Stimme im Aufsichtsrat verleiht, sagt: „Mit dieser Entscheidung stellt Otto Beisheim sein unternehmerisches Engagement auf eine unabhängige Basis.“ Ein Unternehmenskenner sagt: „Wenn man rauswill, will man raus.“ Nichts Besonderes also, eine banale unternehmerische Entscheidung? Oder gibt es womöglich doch andere Gründe?

Beisheim fühlte sich offenbar von den Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck verraten. Er soll verbittert gewesen sein, als seine Vertragspartner vor zwei Jahren heimlich so viele Aktien zusammenkauften, dass sie über eine Stimmenmehrheit von 50,01 Prozent an Metro verfügten. Beisheim verlor von heute auf morgen Einfluss. Zudem sah er sein Lebenswerk von Metro-Chef Eckhard Cordes verunstaltet, der den unternehmergeprägten Konzern auf eine Company nach Geschmack des Kapitalmarkts getrimmt hat. Und zuletzt soll ihn die Ernennung von Ex-McKinsey-Chef Jürgen Kluge zum neuen Haniel-Chef erzürnt haben. Hinzu kommt: Beisheim hat jüngst rund 1,8 Milliarden Euro verloren, die Metro-Aktie hat in wenigen Monaten so dramatisch an Wert eingebüßt, dass sie weniger abwarf als ein Tagesgeldkonto.

Sein Sprecher aber dementiert nun, dass Beisheim seine Metro-Anteile abgeben wolle: „Diese Verbundenheit, die für den Unternehmenserfolg der Metro mitentscheidend war, wird auch in Zukunft Bestand haben.“ Auch Metro-Chef Cordes sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, er gehe davon aus, dass Beisheim dem Unternehmen weiter verbunden bleibe. Diese beiden Versionen schließen zumindest aus, dass Beisheim vorhat, alle Anteile zu verkaufen.

Aus Beisheims Umfeld aber ist zu hören, „alles sei nun möglich“. Entscheidend sei, dass Beisheim seine Beteiligung in Zukunft „aktiv managen“ könne. Vor allem der heimliche Aktienzukauf der anderen Gründungsgesellschafter könnte etwas verändert haben. Schon im vergangenen Jahr blieb Beisheim, der Hauptversammlungen genoss, der Metro-Hauptversammlung fern. Wohl nicht wegen seines Herzleidens. Immerhin war er gesund genug, um fast zeitgleich am Tegernsee Golf zu spielen.

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