Hans-Otto Schrader
Ottos Aufräumer

Hans-Otto Schrader hat zwar erst wenige Monate beim Hamburger Versandhausriesen das Sagen. Aber er hat schon viel bewegt. Der 52-Jährige baut vor allem das Auslandsgeschäft kräftig aus. Heute legt er die neuesten Geschäftszahlen der Otto-Gruppe vor.

TWER. Kurz nach Mitternacht stürmt Hans-Otto Schrader in die Hotelbar, die Ärmel seines weißen Hemds hochgekrempelt, den Schlips längst entsorgt. Seine Kollegen begrüßt er mit festem Händedruck. Am Nachmittag habe er sich in einem längeren Gespräch mit Russlands Postminister Andrej I. Kazmin angefreundet, erzählt der seit Herbst amtierende Vorstandschef der Hamburger Otto-Gruppe gut gelaunt.

Ob der Postminister denn wisse, dass Ottos Unternehmenstochter Hermes bald schon sein schärfster Wettbewerber werden könnte? Ach wo, daran sei doch gar nicht zu denken, wischt Schrader solche Bemerkungen beiseite und bestellt sich noch ein Obergäriges.

Erst am nächsten Morgen, kurz nach dem Frühstück, rutscht Logistik-Vorstand Wolfgang Linder dann heraus: „Wir gucken uns den russischen Markt genau an und wollen dort mittelfristig mit dem Paketgeschäft starten.“

Die Episode in Twer, einer etwas heruntergekommenen Großstadt an der Autobahn von Moskau nach Sankt Petersburg, zeigt: Der alte und der neue Otto-Chef unterscheiden sich nicht nur darin, dass der eine den Firmennamen im vorderen, der andere im hinteren Teil seines Namens trägt. Wo bislang Michael Otto vornehm-hanseatisch die Geschicke des Versandkonzerns bestimmte, regiert in der Hamburger Zentrale seit 1. Oktober ein kerniger Stratege, den 30 Jahre im deutschen Einzelhandel geprägt haben. Für den Konzern auch in anderer Hinsicht eine ungewohnte Situation: Nach 26 Jahren führt nun erstmals wieder ein familienfremder Manager den weltweit größten Versandhandelskonzern.

Nicht nur Cleverness beim Verhandlungspoker zeichnet den 52-jährigen Betriebswirt aus. Wenn Schrader morgen zum ersten Mal in Hamburg die Jahresbilanz der Handelsgruppe vorstellt, kann er schon erste Erfolge vorweisen. Nach langer Käufersuche schaffte er es im Herbst, den ungeliebten Computergroßhändler Actebis („Peacock“, „Targa“) in mehreren Tranchen zu veräußern – wobei ein Großteil für 110 Millionen Euro an die Beteiligungsgesellschaft Arques Industrie fiel. Vom 50-Prozent-Anteil an den Cash & Carry-Märkten Fegro/Selgros trennte sich Schrader – nach jahrelangem Ringen zwischen den beiden Eigentümern – schließlich im März 2008.

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