Harry Roels will aus RWE einen weltweit agierenden Konzern machen. Porträt eines Quereinsteigers
Ein Außenseiter als Ruhrbaron

Der Hotel-Raum heißt „Buntspecht“. 82 Quadratmeter Deutschland, zu mieten für 410 Euro täglich. Wir sind in Heiligenhaus, 20 Autominuten von Essen entfernt. Respektable Einfamilienhäuser an Kiefern und fröstelnden Buchen. Alles deutsch, sehr deutsch. Denkt man.

ESSEN/HEILIGENHAUS. Die Tür geht auf. Zwölf Männer sitzen am Tisch. Sie haben ihre Jacketts abgelegt. Sie sagen „Harry“, „Klaus“, „Gert“ oder „Heinz-Werner“ zueinander. Sie sprechen Englisch. Sie reden über „Issues Management“, haben nachher „Lunch“, und wenn sie inklusive Top 14 „Any other business“ alles im Halb-Stunden-Takt abgearbeitet haben, können sie ein bisschen frische Luft schnappen, bevor es am Abend um „Leadership“ geht, also um alles.

Willkommen beim wahren Führungsgremium der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks Aktiengesellschaft, RWE, gegründet im Jahre 1898 in Essen unter Hilfe des Industriellen Hugo Stinnes. Heute trifft sich in Heiligenhaus das „Group Business Committee“ (GBC), und nichts könnte einen besseren Vorschein geben auf das, was „Harry“, mit vollem Namen Harry Roels, aus einem der traditionsreichsten deutschen Unternehmen machen will: einen Konzern, so international wie Coca-Cola, Strom oder Wasser, der mehr oder weniger zufällig seinen Sitz in Deutschland hat.

Harry Roels ist 1,94 Meter groß, hat große, blaue Augen und, dazu passend, eine große Nase. Er ist 55 Jahre alt und Holländer, ein schlanker Mann mit vollem, dunklem Haar, blau-weiß gestreiftem Hemd und goldenen Manschettenknöpfen. Er sitzt zwischen den anderen Vorständen. Nur dass er als Einziger sein Handy auf dem Tisch liegen hat, zeigt seine herausgehobene Stellung. Am Ende der Diskussion, ob RWE ein Issues-Management braucht, fragt er kurz in die Runde: „Gentlemen, übernehmen wir das?“ Als alle nicken, hat die Unternehmenskommunikation zwei Planstellen mehr und die Aufgabe, nun Themen wie Wasserversorgung frühzeitig zu besetzen und elegant in die Öffentlichkeit zu spielen.

Seit einem Jahr ist Harry Roels Vorstandsvorsitzender der RWE. Früher wäre er damit automatisch in den Stand des Ruhrbarons erhoben worden. Heute sagt er: „Die Philosophie des GBC ist es, gemeinsam wichtige Entscheidungen für den gesamten Konzern zu treffen und nicht nur die eigene Sparte zu verteidigen.“ Oder: „Wir sind ein internationales Unternehmen geworden. Danach muss sich auch unser Managementstil richten.“

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