Henri Giscard d’Estaing
Elitärer Anspruch

Mit wohlhabender Kundschaft und hohenn Preise will Club-Med-Präsident Henri Giscard d’Estaing die Hotelkette zu altem Glanz führen. Doch mit seiner elitären Strategie stößt der Manager auf den Widerstand seiner Großaktionäre. Die Investoren wollen die Clubs in der Krise auch für Normalverdiener öffnen.

PARIS. Normalerweise ist Henri Giscard d’Estaing, Präsident des legendären französischen Club Méditerranée, die Ruhe selbst. Im dunklen Anzug, mit ordentlich gescheiteltem Haar wirkt der große schlacksige Sohn des ehemaligen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing meist unerschütterlich. Doch seit wenigen Wochen steht dem 52-jährigen Chef des größten Ferienclubs Europas der Stress ins Gesicht geschrieben. Giscard, seit sieben Jahren an der Spitze des Club Med und vorher als Nummer zwei für die Finanzen zuständig, ist unter Erfolgsdruck geraten.

Ihm steht eine regelrechte Schlacht um den Club Med bevor, denn zwei neue Aktionäre – der skandalumwitterte Ex-Politiker und Manager Bernard Tapie sowie die italienische Benetton-Familie – sind sich in der Strategie nicht einig. Gerade Tapie kritisiert Giscard heftig. Frankreichs Medien schreiben schon: „Der Sommer im Club Med wird heiß.“ Der älteste Giscard-Sohn, dessen Gestik und geschliffene Sprache an seinen Vater erinnert, trimmt seit Jahren sein Unternehmen auf wohlhabende Kunden. Der Club-Med-Chef, der an einer der französischen Eliteschulen studiert hat und auch bei Danone war, hat eine Trendwende in der Strategie des 1950 gegründeten Unternehmens herbeigeführt. Er setzt auf „Klasse statt Masse“. Dabei gilt der Aristokrat in seinem Konzern gar nicht als elitär, die Mitarbeiter dürfen ihn sogar duzen, während er seinen eigenen Vater siezt.

Aber Giscard ist ein nüchterner Kostenrechner, er hoffte mit über-schaubaren Investitionen in Luxus erheblich mehr Geld einzunehmen. Doch mit der Wirtschaftskrise geht seine Rechnung der hochpreisigen Clubs nicht auf. Das Unternehmen hat in der ersten Geschäftsjahreshälfte bis April einen Nettoverlust von 22 Mio. Euro gemacht, mehr als doppelt so viel wie in der Vorjahreszeit. Auch für die Sommersaison sieht es schlecht aus, die Zahl der Buchungen ging zum Vorjahr um 18 Prozent zurück. Giscard versucht zu beruhigen: „Wir sehen die Zukunft jenseits der Krise zuversichtlich.“

Doch der kürzlich mit rund einem Prozent bei Club Med eingestiegene Tapie fordert für das Unternehmen mit 80 Anlagen auf fünf Kontinenten eine erneute Öffnung für eine breitere Bevölkerungsschicht. Er machte ganz deutlich, was er über Giscard denkt: „Henri Giscard d’Estaing, der durchaus Qualitäten hat, ist so dafür geschaffen, den Club Med zu führen, wie ich die Notre-Dame.“

Nicht nur Tapie könnte an Giscards Stuhl sägen. Auch die Unterstützung durch den wichtigsten Aktionär, den über zehn Prozent haltenden marokkanischen Staatsfonds Caisse des Dépôts, ist nicht mehr sicher. Dort wurde dessen Chef Mustapha Bakkoury abgelöst, der Giscards Strategie bislang unterstützt hat. Die Marokkaner investierten viel Geld in den Club und hofften auf mehr Anlagen im eigenen Land. Aber der Aktienkurs ging seitdem in den Keller, und Giscard hielt sich wegen der angespannten Finanzlage mit Investitionen in Marokko zurück. Einziger Lichtblick für Giscard ist der Einstieg der italienischen Familie Benetton, die gerade zwei Prozent der Anteile erwarb. Sie unterstützt im Gegenteil zu Tapie die Hochpreis-Strategie.

Noch ist nicht vorauszusehen, ob es Tapie gelingt, Giscard zu schwächen, sollte er seinen Anteil weiter erhöhen oder andere Investoren für seine Sichtweise und einen Aktionärspakt gewinnen. Der Club gilt seit langem als übernahmegefährdet, weil das Kapital weit gestreut ist. Schon jetzt wird heftig spekuliert: Die Aktie stieg kürzlich steil an, um darauf wieder rapide einzubrechen.

Giscard, der sich bisher mit Kommentaren gegen Tapie zurückgehalten hat, wählt die Flucht nach vorn: Am Freitag will er vor der internationalen Presse in Paris seine Sicht des Tourismus und die des Club Med im Besonderen in der Krise erklären.

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