Hilmar Kopper
Ohne Vermächtnis

Zum letzten Mal wird Hilmar Kopper am heutigen Mittwoch die Hauptversammlung von Daimler-Chrysler leiten. Die Bilanz seines Arbeitslebens ist zwiespältig: Als Banker war er erfolgreich, als Aufsichtsrat zeigte er wenig Profil. Er folgte den Vorstandschefs fast blind – auch beim Kauf von Chrysler. Anfeindungen kassierte er deshalb viele. Sein größter Kritiker wartet schon.

STUTTGART/DÜSSELDORF. Die Herausforderung kommt mit dem Tagesordnungspunkt neun. Der Professor tritt ans Rednerpult und liest dem gelernten Bankkaufmann die Leviten. Der Attackierte sitzt wie ein Monolith auf seinem Stuhl und versucht, die Fassung zu wahren. Auch wenn ihm die Zornesröte zuweilen in den Kopf steigt.

Ekkehard Wenger wird am heutigen Mittwoch zur letzten Schlacht gegen Hilmar Kopper antreten, ein selbst ernannter Aktionärsaktivist gegen den einst mächtigsten Banker der Republik. Ort des Geschehens: Die Daimler-Chrysler Hauptversammlung im Berliner Congress Centrum. Es ist der Schlusspunkt einer ungewöhnlichen Beziehung. Der Ablauf des Geschehens scheint festzustehen.

Seit Kopper die Geschicke des größten deutschen Industriekonzerns kontrolliert, muss er sich auch mit dem streitbaren Professor herumschlagen. Seit 17 Jahren herrscht Krieg der Worte. Kopper ist für Wenger nur Mitglied eines „Kartells von Betonköpfen, das die deutsche Wirtschaft beherrscht“. Mit diesen Worten stellte der HV-Schreck Wenger 1992 auf einer Veba-Hauptversammlung sein Verhältnis zu Kopper klar.

Formal betrachtet, war der Vorstandssprecher der Deutschen Bank damals der einflussreichste Banker im Lande. Mitte der neunziger Jahre zählte Kopper elf Aufsichtsmandate in großen in- und ausländischen Konzernen: Akzo, Bayer, Linde, Lufthansa, Münchener Rück, RWE, Veba, Solvay, Xerox. Bei Mannesmann hatte er neben Daimler seinen zweiten Vorsitz. Dennoch blieb Kopper als gestaltende Kraft der Wirtschaft seltsam blass.

Zwar stellte er die entscheidenden Weichen, um die nationale Deutsche Bank zu einem global agierenden Finanzinstitut umzubauen. Ein industriepolitisches Vermächtnis stellt ihm allerdings niemand aus. „Kopper hatte nichts Besonderes“, sagt der Wirtschaftshistoriker Michael Hartmann von der TU Darmstadt. Als Multi-Aufsichtsrat der deutschen Industrie habe er sich verhalten „wie viele andere Aufsichtsräte auch.“ Und selbst auf seinem wichtigsten Kontrollposten, bei Daimler-Chrysler, habe Kopper vor allem das abgesegnet, was der Vorstand wollte, kolportieren Unternehmenskreise.

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