Hintergrund
Chronik: der Enron-Prozess

In einem der bedeutendsten Wirtschaftsprozesse in der US-Geschichte standen seit Ende Januar die früheren Enron-Chefs Kenneth Lay und Jeffrey Skilling in Houston vor Gericht. Am Ende steht der Schuldspruch. Eine Chronologie des Prozessverlaufs.

30. Januar: Zum Prozessauftakt wählt der Vorsitzende Richter Simeon Lake die zwölf Geschworenen aus, die als Laienrichter über Schuld und Unschuld der Angeklagten entscheiden sollen. Lake ermahnt die Jury, sich trotz des großes Aufsehens um den Zusammenbruch von Enron eine objektive Meinung über Lay und Skilling zu machen.

31. Januar: In einer zweistündigen Anklage werfen die Staatsanwälte in rund drei Dutzend Anklagepunkten den früheren Enron-Bossen Verschwörung, Betrug und Insider-Geschäfte vor. Obwohl Lay und Skilling alle Fakten über den desolaten Zustand des Unternehmens gekannt hätten, seien Anleger, Analysten und Angestellte von ihnen über die milliardenschwere Verschuldung der Firma im Dunkeln gelassen worden. Die Verteidiger Michael Ramsey und Daniel Petrocelli zeichnen ein anderes Bild: Ihre Mandanten seien fürsorgliche Chefs gewesen, denen es um nichts anderes als das Wohl des Unternehmens gegangen sei. Scheitern sei nicht strafbar, lautet das Motto der Verteidigung.

8./9. März: Mit dem ehemaligen Finanzchef Andrew Fastow tritt der Hauptzeuge der Anklage in den Zeugenstand. Der geständige Fastow gilt als Drahtzieher der betrügerischen Bilanztricks, mit denen milliardenschwere Verluste verschleiert und angebliche Gewinne vorgetäuscht wurden. Lay und Skilling hätten ihm dafür ihr O.K. gegeben und ihm auf die Schulter geklopft. "Ich dachte, ich wäre ein Held für Enron", sagt Fastow. Er hat sich in zwei Punkten der Verschwörung und Betrug schuldig bekannt. Die Verteidiger versuchen, Fastow als Zeugen zu diskreditieren. Er sage nur das, was die Anklage hören wolle.

28. März: Die Staatsanwälte schließen die Befragung ihrer mehr als 20 Zeugen ab und straffen ihre Anklageschrift um einige Punkte. Nach Ansicht von Prozessbeobachtern ist den Anklägern in den ersten zwei Monaten des Verfahrens trotz komplexer Finanzdetails eine schlüssige wie kompakte Darstellung des Falls gelungen, die Lay und Skilling in den Mittelpunkt der betrügerischen Machenschaften bei Enron gestellt hat.

10. April

: Mit der Aussage Skillings erreicht der Enron-Prozess seinen vorläufigen Höhepunkt. "Die Vorwürfe gegen mich sind falsch", sagt der sichtlich nervöse Skilling an die Geschworenen gerichtet. "Ich werde gegen diese Vorwürfe bis zu dem Tag kämpfen, an dem ich sterbe." Unter der Befragung seines Anwalts gibt der frühere CEO vor allem Ex-Finanzchef Fastow und der Presse die Schuld an der Pleite des Unternehmens.

17. April: Im Kreuzverhör verteidigt Skilling den Verkauf von Firmenaktien kurz vor dem Zusammenbruch von Enron. Unter der hartnäckigen Befragung der Staatsanwälte beteuert er, keine Ahnung von einer firmeninternen Untersuchung der Bilanzen gehabt zu haben. An seinen millionenschweren Verkaufsauftrag von 200 000 Enron-Anteilscheinen könne er sich nicht mehr erinnern.

24. April: Nach Skilling tritt auch Lay in den Zeugenstand und weist unter der Befragung seines Anwalts die Vorwürfe von sich. Für kriminelle Machenschaften übernehme er keine Verantwortung. Schuld am Untergang seiner Firma seien vielmehr Fastow, eine Reihe kritischer Zeitungsartikel sowie eine Gruppe von Raubtierinvestoren, sagt der langjährige Top-Manager.

2. Mai: Im Kreuzverhör rechtfertigt Lay den Verkauf von Enron-Aktien im Wert von 70 Millionen Dollar kurz vor der Pleite. Gleichzeitig verteidigt er sein ausschweifendes Luxus-Leben in den letzten Monaten als Enron-Chef. So charterte Lay im Januar 2001 für fast 200 000 Dollar eine Yacht, um darauf mit Freunden den Geburtstag seiner Ehefrau zu feiern. Bei der Befragung durch die Staatsanwälte wirkt Lay nach Ansicht von Prozessbeobachtern zuweilen aufgebracht und wütend.

11. Mai: Kurz vor den Abschlussplädoyers sorgt Richter Lake mit überraschenden Kommentaren für Aufsehen: So kündigt er an, die Geschworenen darauf aufmerksam machen zu wollen, dass selbst "vorsätzliches Ignorieren" der Bilanzbetrügereien bei Enron keine vertretbare Verteidigung sei. Nach Ansicht von Beobachtern ist ein Schuldspruch damit wahrscheinlicher geworden.

15.-17. Mai: In ihrem Abschlussplädoyer fordert die Anklage die Verurteilung von Lay und Skilling. Beide hätten vor der Pleite von Enron die Öffentlichkeit getäuscht und sich Millionen Dollar in die eigene Tasche gesteckt. Staatsanwältin Kathryn Ruemmler prangert die Angeklagten als arrogante Manager an, die sich nicht an Regeln und Gesetze gebunden fühlten. Dagegen plädiert die Verteidigung auf Freispruch. Lay und Skilling seien vielleicht schlechte Manager gewesen, Gesetze hätten sie jedoch nie gebrochen.

25. Mai: Die Geschworenen sprechen die Männer im mehreren Anklagepunkten schuldig.

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