Igor Olenicoff
Der Ehrenmann

2007 wurde der Wahl-Kalifornier Igor Olenicoff wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt – nun will der Milliardär Rache. Olenicoff verklagt die Schweizer Großbank UBS, weil ihre Berater ihm illegale Steuertricks empfohlen haben sollen. Heute geht er vor Gericht.
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MOSKAU. Die Auswanderung des Igor Olenicoff aus Russland liegt lange zurück. Sehr lange. Im Jahre 1942, der Sohn war gerade erst zur Welt gekommen, packten seine Eltern die Koffer und flüchteten vor Krieg und kommunistischem Regime in den Iran. Im Jahre 1960 strandete Olenicoff in den Vereinigten Staaten – und wurde durch Immobiliengeschäfte zum Milliardär.

Doch auch wenn Olenicoff heute mit Russland nichts mehr am Hut haben mag – ein paar russische Eigenschaften dürften in ihm stecken. Ein ausgeprägter Stolz zum Beispiel, die Neigung, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. So ungefähr ließe sich erklären, weshalb sich der 67-jährige Wahl-Kalifornier auf eine juristische Höllenfahrt einlässt und einen Privatkrieg gegen die Schweizer Großbank UBS anzettelt, die er zum vierten Mal binnen eines Jahres auf Schadensersatz verklagt. Heute beginnt im kalifornischen Santa Ana die Anhörung vor Gericht.

Olenicoff fordert bis zu 500 Millionen Dollar, weil ehemalige UBS-Führungskräften und Kundenberater ihn falsch beraten hätten und er sich deshalb in den USA des Steuerbetrugs schuldig gemacht habe. Denn von der Illegalität der empfohlenen Anlagemethoden habe er nichts gewusst, beteuert er. Die UBS weist Olenicoffs Vorwürfe vehement zurück.

Die Steuerfahnder interessierten Olenicoffs Beteuerungen auch nicht, als sie ihn 2007 in die Zange nahmen: Man einigte sich schließlich per Vergleich: Olenicoff erklärte sich schuldig, eine unvollständige Steuererklärung abgegeben zu haben. Doch da er Details zu den Tricks bekanntgab, mit denen die Steuern am Fiskus vorbeigeschleust wurden, bekam er eine milde Strafe: Zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung, 3 500 Dollar Strafe und 120 Sozialstunden. Zudem musste er Steuern in Höhe von 52 Mio. Dollar nachzahlen. Jetzt will er Genugtuung für die Schmach.

Anlass ist ein Urteil gegen seinen langjähriger ehemaligen UBS-Bankberater Bradley Birkenfeld, das als bislang größter Erfolg der US-Behörden im Steuerstreit gewertet wird. Der 44-jährige Ex-Mitarbeiter des Schweizer Bankriesen wurde Ende August wegen Beihilfe zur Steuerflucht zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Birkenfeld hatte gestanden, zusammen mit anderen Managern und Bankern US-Kunden dabei unterstützt zu haben, ihr außerhalb der USA gelagertes Vermögen über Scheinvehikel vor dem Fiskus zu verstecken. Zwischen 2001 und 2007 hatte Birkenfeld auch Olenicoff beraten. Der Milliardär jedenfalls nahm das Urteil zum Anlass seine Vorwürfe gegen die UBS auszuweiten, auf Manager, die in der internationalen Finanzszene wohlbekannt sind: Martin Liechti, Raoul Weil und Peter Kurer, allesamt ehemalige UBS-Führungskräfte.

In der US-Finanzszene wird die Aktion belächelt, schließlich sei ein rechtskräftig verurteilter Täter reichlich unglaubwürdig in der Opferrolle: Insgesamt 200 Millionen Dollar legte der Immobilienentwickler über Offshore-Firmen bei diversen Banken in Steuerparadiesen an. Aber dass das illegal gewesen sei, will er nicht gewusst haben. Für ihn ist seine Klage eine Frage der Ehre: Steuersünder will er nicht sein, das Gericht soll ihn reinwaschen und die UBS verurteilen.

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