In China sind viele ehemalige Offiziere erfolgreich als Manager – Den Haudegen folgen geschliffene MBA-Absolventen
Strammstehen wie im Militärcamp

Wir werden unseren glorreichen Produktionszuwachs fortsetzen und die Führungsposition von Feida zementieren!“ Der Marschbefehl an die Angestellten – mit Kreide auf die graue Tafel geschrieben – steht direkt vor dem Fabriktor von Jiangsu Feida, dem Weltmarktführer für Bohrer. Wie ein Heer von Ameisen wuseln hier Hunderte von Beschäftigten in blauen Arbeitsuniformen umher.

Jiangsu Feida, drei Autostunden westlich von Schanghai, gehört Zhu Guoping – einem ehemaligen Soldaten der Volksbefreiungsarmee. Dieser hat es in kürzester Zeit zum Vorzeigeunternehmer gebracht, der westlichen Konkurrenten das Fürchten lehrt. Im spartanisch eingerichteten Büro des Chefs prangt über dem Schreibtisch ein Bild – es zeigt Zhu neben einer Kanone seiner ehemaligen Artillerie-Kompanie. Die Firmenbroschüre, die er aufgeblättert hat, beschreibt Feida stolz als „Fabrik wie ein Militärcamp“. Das Management formt die 5 000 Beschäftigten zu einer „eisernen Armee“, heißt es. Militarismus pur.

„Viele Top-Manager sind ehemalige Armeeleute“, bestätigt der Pekinger Managementberater Song Xinyu. „Die Militarisierung des Managements ist oft der Ersatz für die fehlende MBA-Kultur hier zu Lande.“ Als China Ende der 70er-Jahre die Planwirtschaft abschaffte und marktwirtschaftliche Reformen einleitete, fehlten ganz einfach erfahrene Manager. Auch akademischen Nachwuchs gab es nicht, denn während der Kulturrevolution waren ein Jahrzehnt lang Schulen und Universitäten geschlossen geblieben.

Also bediente man sich bei der Armee. 10 000 ehemalige Soldaten sind inzwischen im Management erfolgreich und offiziell zu „herausragenden Unternehmern“ des Landes gekürt worden. Regelmäßig wählen Chinas Zeitungen die besten Ex-Offiziere unter den neuen Unternehmern der Staatspräsident persönlich zeichnet sie aus.

Zu ihnen gehört Liu Chuanzhi, der Chinas PC-Primus Lenovo groß gemacht hat. Lenovo vereinbarte Ende 2004 mit IBM die Übernahme des PC-Geschäfts des „blauen Riesen“. Die Liste der Ex-Militärs unter den Top-Managern ist lang: Auch Wang Shi, Boss von Chinas führendem Bauentwickler Vanke, sowie Pan Ning, langjähriger Chef des Kühlschrank- und Klimaanlagenbauers Kelon, oder Haier-Chef Zhang Ruimin sind ehemalige Soldaten.

Die Zentrale von Haier, Chinas erster internationaler Marke, gleicht einer Festung. Am Fabriktor in der Hafenstadt Qingdao verkünden Spruchbänder, was den Paradefirma antreibt: „Respekt für die Arbeit und Mühen für die Nation.“ Chef Zhang ist gefürchtet unter den 30 000 Haier-Mitarbeitern. Als er 1984 in die Firma kam, zertrümmerte er als erstes mit einem Hammer einen defekten Kühlschrank und befahl, 75 weitere zu zerstören.

Arbeiter mit schlechter Leistung mussten sich auf rote Fußabdrücke in der Fabrik stellen und ihre Fehler beichten. Plakate mahnten, nicht neben die Fließbänder zu pinkeln. Praktiken wie bei der Umerziehung während der Kulturrevolution. Exerzieren, Antreten, Parolen, Gesang und Gelöbnisse: In chinesischen Firmen ist das keine Seltenheit. Selbst in der Hauptstadt Peking kann man zur Mittagszeit vor den Restaurants die Bedienungen beim Antreten und der Befehlsausgabe beobachten.

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