Innovationsforum 2016
Die Welt der Roboter

Die Gewinner des Goethe-Innovationspreises

RHABDOTEC: Schnelle Pillen

Nicht in Anzügen, sondern in Laborkitteln betraten die Gründer von RhabdoTec die Bühne. Kenan Bozhüyük, Florian Fleischhacker, Darko Kresovic und Felix Wersich heißen die vier Gewinner des diesjährigen Innovationsforums. Für ihr biotechnologisches Verfahren erhielten die vier Wissenschaftler 10 000 Euro Preisgeld. Ihre Idee: Mikroorganismen werden so programmiert, dass sie bestimmte Wirkstoffe produzieren können. Etwa solche, die in Antibiotika sind. Dadurch können neue Wirkstoffe schneller und günstiger hergestellt werden als bisher. „Die aktuellen Methoden der Chemie und der Biotechnologie sind nicht ausreichend“, erklärte Bozhüyük bei der Preisverleihung.

Zwei Pilotprojekte haben die Gründer laut Wersich bereits eingeworben. Dabei gehe es darum, vielversprechende Wirkstoffe weiterzuentwickeln. Die Start-up-Gründer machen den Pharmaunternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten, verschiedene Angebote: „Unsere Toolbox kann für die Pharmaunternehmen lizenziert werden, oder sie haben die Möglichkeit, uns die Aufträge zu erteilen, Wirkstoffe zu entwickeln“, so Wersich. Dann erhalte das Unternehmen auch die Herstellungsmethode. „Das heißt, wir integrieren den Bauplan in einen Organismus und der Organismus produziert den neuen Wirkstoff.“

Drei der Preisträger sind seit über drei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiter an der Goethe-Universität und promovieren im Fach Biologie. Wersich ist Ingenieur. Die Erfindung der vier Gründer bringt die Pharmaindustrie in großem Stil voran, wenn man Bozhüyük glaubt: „Es wird angenommen, dass ohne eine neue Technologie im Jahr 2050 etwa zehn Millionen Menschen infolge von Antibiotika-Resistenzen sterben könnten.“

LEGALHEAD: Date für Anwälte

„Vor fünf Jahren hatte jeder zweite Student ein Smartphone. Heute besitzt jeder Student zwei mobile Endgeräte.“ Mit diesen Sätzen begann Samuel Ju, Co-Gründer des Start-ups Legalhead, seine Rede bei der Preisverleihung des Innovationsforums. Gemeinsam mit seinen Kollegen Clemens Reichel und Fabian Schebanek belegte er den zweiten Platz.

Die drei Gründer haben eine App entwickelt, die arbeitsuchende Anwälte an Arbeitgeber vermittelt. Klassische Stellenanzeigen seien sehr zeitaufwendig und in der Regel nicht Smartphone-optimiert. Zudem zahlten Unternehmen viel Geld dafür und seien dann meist sehr passiv. Der Erfolg sei sehr schwer messbar.

Die Legalhead-App kommt tatsächlich deutlich pfiffiger daher als klassische Jobportale. Wie bei Dating-Apps können beide Seiten sich das Profil des jeweils anderen ansehen und entscheiden, ob sie miteinander in Kontakt treten wollen. Geben beide einen „Daumen hoch“, kommt der Kontakt zustande. „Wir sind bis zu fünfzig Prozent günstiger als klassische Berater“, erklärt Ju. Seitdem das Start-up im Oktober 2015 losgelegt hat, konnten die Gründer mehr als 30 Kanzleien und Wirtschaftsunternehmen und über tausend Anwälte von sich überzeugen.

Für Bewerber hat Legalhead einen zusätzlichen Anreiz geplant: Das Start-up beteiligt sie mit einem Drittel an der Vermittlungsprovision. Laut Ju sind das zwischen 3 000 und 8 000 Euro. Für die Zukunft hat das Team bereits Expansionspläne: Bald soll es auch „Taxhead“ geben, für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, „Medihead“ für Ärzte und medizinische Fachkräfte sowie „Consulthead“ für Unternehmensberater.

LIME MEDICAL: Helfende Hände

Es sind drei Schüler, die das Start-up LIME medical gegründet haben. Pascal Lindemann, Christian Schorr und Dominic Libanio, der mit 20 Jahren der Älteste von ihnen ist, sieht man ihre Jugend an. Ihr Projekt aber hat es in sich: Sie haben eine Roboterhand entwickelt, mit deren Hilfe Patienten nach einem Unfall ihre Finger trainieren können. Bei dem Wettbewerb „Jugend forscht“ belegten sie damit bereits deutschlandweit den dritten Platz.

Den Gründern zufolge verletzen sich in Deutschland jedes Jahr 240 000 Menschen bei einem Arbeitsunfall an der Hand, 200 000 weitere erleiden einen Schlaganfall, der ihre Hand lähmt. An Therapeuten aber mangelt es. Und selbst wenn Patienten einen fänden, kämen sie schlecht in die Praxis, da sie ja nicht Auto fahren dürften.

Die Roboterhand soll beide Probleme lösen. „Unsere Vision ist es, dass der Patient zu Hause in Ruhe trainieren kann“, so Lindemann. Dazu zieht er das Gerät über seine Hand, das die Finger dann bewegt. Für Knie und Schulter gibt es solche Maschinen bereits. Therapiegeräte für die Hand seien bisher jedoch daran gescheitert, dass sie sich nicht an die verletzten, sensiblen Finger anpassen ließen, sagt Lindemann. Das Modell der Schüler lässt sich aber an verschiedene Handgrößen anpassen. Die Gründer entwickeln auch eine App, mit der der Therapeut die Behandlung künftig aus der Ferne begleiten kann.

Jetzt haben sie beim Innovationsforum den dritten Platz belegt. Was sie aber am meisten freuen dürfte, ist ein Angebot von Kuka-Chef Till Reuter: „Kommt gerne zu Kuka. Die Ideen haben mir sehr gut gefallen. Ich glaube, das sind genau die Sachen, die Deutschland ausmachen, dass wir hier Start-ups nach vorne bringen.“

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Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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