Insolvenzplan bedroht
Neuer Ärger bei Phoenix

Vierzehn Wertpapierhandelsunternehmen wollen den Insolvenzplan für den bankrotten Optionshändler Phoenix kippen. Dazu haben sich 14 Unternehmen eine Teilforderung eines Phoenix-Opfers gekauft und als Betroffene Beschwerde gegen den Insolvenzplan eingereicht.

FRANKFURT. Phoenix gilt als größter Fall von Anlagebetrug der Nachkriegsgeschichte. Über Jahre hatte das Unternehmen per Schneeballsystem Gewinne vorgetäuscht und im März 2005 Insolvenz angemeldet. Nach Angaben des Insolvenzverwalters liegen rund 230 Mill. Euro auf diversen Konten. 200 Mill. sollen laut Insolvenzplan an die rund 30 000 geprellten Anleger ausgeschüttet werden.

Weitere Anleger-Forderungen in Höhe von 180 Mill. Euro soll die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) bezahlen. Doch die hat nur zehn Mill. Euro in der Kasse, die etwa 750 Mitgliedsunternehmen - zu denen die 14 Beschwerdeführer gehören - müssten den Rest nachschießen.

Laut Beschwerde des "Phoenix Rechtsverfolgungspools" sollen rund 163 Mill. der 230 Mill. Euro Insolvenzsumme auf Treuhandkonten lagern. Treuhandkonten dürfen laut Gesetz aber nicht der Insolvenzmasse zugerechnet werden.

Zudem, so die Beschwerdeführer, erhöhe die Vermischung von Treuhandkonten und anderen Geldern die Gebühren des Insolvenzverwalters. "Der Insolvenzplan ist rechtswidrig, überflüssig und kostet die Anleger Geld", sagt Markus Ross, Vorstand des Poolmitglieds Ceros. Nach seiner Schätzung fielen rund vier bis fünf Mill. Euro unnötiger Gebühren an.

"Bei Phoenix gab es gar keine Treuhandkonten, die haben alles vermischt. Alle Konten wurden gleichermaßen chaotisch geführt", kontert eine Sprecherin des Insolvenzverwalters Frank Schmitt. Werde der Insolvenzplan gekippt, dann ginge das Insolvenzverfahren bis zum Bundesgerichtshof und das könne bis zu zehn Jahren dauern. Bereits vor zwei Wochen hatte einer der größten Phoenix-Gläubiger, die Citco Global Custody , den Plan angefochten.

Die EdW selber will noch abwarten, ob der Insolvenzplan Bestand hat, nach der Entscheidung aber mit der Entschädigung beginnen. "Wenn er scheitert, haben wir keinen Grund mehr, mit der Auszahlung zu warten", sagt der zuständige Abteilungsdirektor Michael Helmers. Sollte der Insolvenzplan kippen und sich dadurch die Auszahlung der Insolvenzmasse verzögern, stiege das Entschädigungsvolumen für die EdW auf mehr als 300 Mill. Euro, so Helmers.

Die Entschädigung soll über einen Rahmenkredit finanziert werden, für den der Bund eine Bürgschaft zugesagt hat. Die Schulden sollen die EdW-Mitgliedsunternehmen tilgen. Sollten diese wie angekündigt hiergegen klagen und Erfolg haben, zahlt am Ende der Steuerzahler für die Phoenix-Pleite.

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