Insolvenzverwalter
Piepenburg und Görg übernehmen das Steuer

Mit dem erfahrenen Wirtschaftsanwalt Klaus Hubert Görg und Chefsanierer Horst Piepenburg bekommt Arcandor nach der Insolvenz zwei Experten für komplexe Fälle an die Seite gestellt. Einer der beiden könnte bald sogar Arcandor-Chef Eick an der Spitze des Unternehmens beerben.

DÜSSELDORF. Klaus Hubert Görg kann sich über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Seit Monaten ist der Kölner Wirtschaftsanwalt damit beschäftigt, gemeinsam mit weiteren Experten den Nachlass des Merckle-Imperiums zu ordnen. Jetzt hat ihm das Essener Amtsgericht noch einen Großauftrag verpasst: Der 68-Jährige ist seit Dienstagnachmittag vorläufiger Insolvenzverwalter des Handelskonzerns Arcandor, einschließlich aller Beteiligungen und Töchter wie Primondo, Karstadt Warenhaus und Quelle.

Das ist keineswegs selbstverständlich, denn in Deutschland gibt es kein Konzern-Insolvenzrecht. Theoretisch könnten die zuständigen Amtsgerichte für jede rechtlich selbstständige Einheit des Konzerns einen eigenen Insolvenzverwalter bestellen.

Doch die Richter haben aus anderen Verfahren gelernt. Etwa beim Maschinenbaukonzern Babcock-Borsig. Als der vor acht Jahren zusammenbrach, gerieten über 200 Gesellschaften in den Strudel. Für Ordnung in diesem Durcheinander sorgte in beiden Fällen einer der bekanntesten Insolvenzverwalter des Landes, Horst Piepenburg aus Düsseldorf.

Der 54-Jährige gilt nicht nur als Experte für komplexe Fälle. Piepenburg ist auch in der Rolle des Chief Restructuring Officers (CRO) geübt. Diesen Part des Chefsanierers soll er nun auch in Essen spielen. Der Insolvenzanwalt wird dem Arcandor-Vorstand als Generalbevollmächtigter zur Seite gestellt. Später könnte er auch die Führungsfunktion übernehmen. Denn Vorstandschef Karl-Gerhard Eick dürfte, so wird in Expertenkreisen erwartet, Arcandor in spätestens drei Monaten verlassen.

Das Duo aus Görg und Piepenburg signalisiert auch die Marschrichtung: Arcandor soll in die Planinsolvenz gehen, und zwar in Form der sogenannten Eigenverwaltung. Das alte Management kann dabei an Deck bleiben. Dieses Verfahren ähnelt stark dem Chapter-11-Verfahren aus den USA, wird aber in Deutschland noch vergleichsweise selten angewandt. Grund für die Zurückhaltung ist meist, dass die Insolvenzanwälte das hohe Risiko scheuen – als Insolvenzverwalter in geschäftsführender Funktion tragen sie natürlich auch Haftungsrisiken. Das Planverfahren gilt allerdings als die beste Variante des deutschen Insolvenzrechts, wenn man ein Unternehmen sanieren will.

Auch der vorläufige Insolvenzverwalter Görg kennt sich damit aus. Gemeinsam mit dem Frankfurter Kollegen Ottmar Hermann nutzte er das Instrument der Eigenverwaltung beim Baukonzern Holzmann.

Mit Görg und Piepenburg kommen also zwei Fachleute zusammen. Aber es gibt auch Trennendes: Der Kölner gilt in der Szene eher als zurückhaltende graue Eminenz. Sein Arcandor-Partner aus Düsseldorf dagegen liebt die offene Bühne und gilt als Frohnatur – vermutlich kein Trost für die Arcandor-Mitarbeiter.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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