Interkulturelle Managmentmethoden
Pasta mit Sauerkraut

"Der ideale Kompromiss ist die italienische Flexibilität gemischt mit der deutschen Methodik", das wäre der beste Führungsstil für ein Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Seminar, in dem deutsche und italienische Manager ihre jeweiligen Strukturen und Methoden unter die Lupe genommen haben.

bfai MAILAND. Erhebliche Unterschiede gibt es zwischen dem deutschen und dem italienischen Führungsstil. Zu dieser Erkenntnis kamen Spitzenmanager deutscher und italienischer Firmen anlässlich eines zweitägigen Seminars über das Management in den beiden Ländern. Während der Entscheidungsprozess bei deutschen Firmen meist auf Basis einer gründlichen Planung und in Teamarbeit erfolgt, ist die italienische Entscheidungsfindung meist intuitiv und erfolgt im Alleingang. Erhebliche Differenzen gibt es auch bei der Managementstruktur und der Flexibilität.

"Italiens Führungsspitze hat Schwierigkeiten sich zu erneuern", der Vorstandsvorsitzende der Toro-Versicherung, Sandro Salvati, nahm anlässlich des vom deutschen Wirtschaftsclubs (DWC) Mailand gemeinsam mit der Stiftung Istud organisierten Seminars kein Blatt vor dem Mund. Tatsächlich liegt das Durchschnittsalter italienischer Spitzenmanager weit über dem der deutschen Manager. Der 51-jährige Unicredit-Chef Alessandro Profumo hat kürzlich mit seiner Feststellung Aufsehen erregt, dass er mit 60 Jahren seinen Abschied nehmen wolle. Dies ist in Italien revolutionär. Das etwa der 82-jährige Präsident des größten italienischen Versicherungskonzerns Generali, Antoine Bernheim, auf weitere drei Jahre gewählt wurde, ist hier kein Ausnahmefall.

Zu den wichtigsten Unterschieden zwischen dem deutschen und dem italienischen Führungsstil zählen laut mehrerer Fallstudien die in Italien stark ausgeprägte Hierarchie, die hier mangelnde Teamarbeit und eine wesentlich größere Flexibilität bei Unternehmensentscheidungen als in Deutschland.

Die Diskrepanzen sind nicht nur auf die unterschiedlichen Managementkulturen in den beiden Ländern, sondern auch auf verschiedene Strukturen zurückzuführen. Im deutschen Management ist die Kontrollfunktion wesentlich stärker verankert als in Italien, wo es trotz dreißigjähriger Diskussion noch kein Mitbestimmungsrecht gibt. "Ohne Mitbestimmungsrecht wäre die Restrukturierung und Sanierung der Deutz AG in Köln unmöglich gewesen", sagte Deutz-Chef Gordon Riske. Deutz wurde vor wenigen Jahren von dem italienischen Landmaschinenhersteller Same übernommen und voll saniert.

Die ausgeprägtere Hierarchie in Italiens Unternehmen zeigt sich auch bei den 30 wichtigsten, an der Mailänder Börse notierten Unternehmen (MIB 30), von denen 26 dem traditionellen, monistischen System zuzuordnen sind. Hier sind die Führungs- und Kontrollaufgaben bei einem einzigen Organ, dem Vorstand (consiglio di amministrazione) angesiedelt. Dieser trifft seine Entscheidungen im Alleingang. Das duale System fasst hier nur langsam Fuß: Jüngstes Beispiel dafür ist die Fusionsbank Banca Inesa-Sanpaolo.

In Deutschland haben hingegen lediglich zwei der Dax 30 Unternehmen ein monistisches System eingeführt. Bei dem in Deutschland üblichen dualen System ernennt der Aufsichtsrat den Vorstand. In Italien bestimmen die Aktionäre direkt den Vorstand. Während im deutschen Führungssystem die Kontrollfunktion durch das Aufsichtsgremium weitgehend garantiert wird, ist in Italien die Kontrolle kaum vom Management getrennt. Insofern kommt es hier auch häufig zu Interessenskonflikten. Zudem haben Aktionäre in Italien einen größeren Einfluss auf den Führungsstil beziehungsweise die Entscheidungsfindung. So strich der Hauptaktionär des Telecom Italia Konzerns, Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera, den amtierenden Telecom Italia Präsidenten Guido Rossi von der Liste der neuen Verwaltungsratsmitglieder. Der deutsche Führungsstil sei zudem weniger autoritär und transparenter. Entscheidungen werden in Teamarbeit vorbereitet. "Der ideale Kompromiss ist die italienische Flexibilität gemischt mit der deutschen Methodik", sagte Professor Marco Vitale von der Stiftung Istud.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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