Interview
„Deutschland hat ein Umsetzungsproblem"

Martin Spilker (45), langjähriger persönlicher Referent von Liz Mohn, ist seit dem 1.9.2004 Mitglied der Geschäftsleitung der Bertelsmann-Stiftung, für die er das neue Kompetenzzentrum „Unternehmenskultur und Führungsphilosophie“ aufbauen.

Herr Spilker, Glückwunsch zu Ihrer neuen Aufgabe - obwohl man nicht weiß, ob man Sie dazu unbedingt beglückwünschen soll...

Warum? Es ist eine reizvolle und spannende Aufgabe, bei der man mit einer Vielzahl von Personen aber auch mit interessanten Fragen zu tun haben wird. Unterneh­menskulturen zu analysieren und weiter zu entwickeln - dabei wird es sicherlich nicht langweilig werden!

Keine Frage. Aber müssen Sie jetzt nicht ein Erbe antreten, das etwas zu groß ist. Schließlich hat sich Bertelsmann-Patriarch in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer auch als Vordenker in Sachen Unternehmenskultur/Unternehmerverantwortung gesehen.

Ich hatte bereits in der Vergangenheit oft Gelegenheit mit Reinhard Mohn persönlich über den Aufbau und die Entwicklung der Unternehmenskultur bei Bertelsmann zu diskutieren. Für mich ergab sich daraus immer ein einzigartiger, faszinierender Einblick in sein Denken.

Kann man den Umstand, dass Sie nicht nur Leiter einer Abteilung der Bertelsmann-Stiftung werden sondern zugleich auch Mitglied der Geschäftsleitung als Zeichen dafür sehen, dass dieses Thema der Familie Mohn sehr wichtig ist? Und gibt diese Position Ihnen mehr Einfluss?

Das Thema hat nicht nur bei Reinhard Mohn sondern bei dem Unternehmen aber auch der Stiftung Tradition. Denken Sie nur an die „Mitbestimmungskommission“, die diversen Handbücher zur Unternehmenskultur oder die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Hans Böckler-Stiftung, z. B. zur betrieblichen Gesundheitspolitik. Mit dem Carl Bertelsmann-Preis 2003 ha­ben wir nachgewiesen, welche Bedeutung die Führung und die Unternehmenskultur als Erfolgsfaktoren in der Wirtschaft besitzen.

Aber im Gegensatz zu Reinhard Mohn haben Sie keine Macht, die Denkergebnisse im Bertelsmann-Konzern auch umzusetzen. Wie sehen Sie da die Rolle Ihres Kompetenzzentrums für die Unternehmenskultur bei Bertelsmann?

Wir haben von vorne herein festgelegt, dass das Kompetenzzentrum Ideen, Projekte und Konzepte entwickeln und Anregungen geben kann, die grundsätzlich allen Unternehmen zur Verfügung stehen sollen. Etwas bei der Gestaltung von Unternehmenskulturen vorzuschreiben, das passt nicht zur Philosophie unseres Hauses. Auch hier gilt auf der Basis unserer Leitsätze und Führungsgrundsätze die Delegation der Verantwortung. Vorstand und Betriebsrat führen aber regelmäßig Gespräche und Konsultationen mit uns.

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