Interview
„Gehaltssystem bei Bankern funktioniert nicht“

Es war kein gutes Jahr für Bankmanager. Sei es, dass sie selbstverschuldet oder in Sippenhaft genommen worden sind. Nun droht vielen eine Gehaltsobergrenze. Olaf Juergens sieht deshalb das Gehaltsgefüge gestört. Er ist Geschäftsführer von Juergens Management Consultants, die Unternehmern bei der Suche nach Führungskräften unterstützt.

Wenn ein Geldhaus unter den staatlichen Rettungsschirm möchte, werden die Gehälter der Vorstände auf 500 000 Euro begrenzt. Ist die Höhe der Summe Willkür oder sinnvoll?

Die Festlegung auf 500 000 Euro ist reine politische Willkür und entbehrt jeder Kenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge. Sie soll dem einzelnen Bürger zeigen, dass der Staat nicht auch noch die angeblich zu hohen Gehälter in der Finanzindustrie unterstützt. 500 000 Euro ist eine Zahl, die angemessen erscheint. Wirtschaftlichen Sinn macht diese Zahl überhaupt nicht – ganz im Gegenteil. Aber sie wirkt den politischen Entscheidern vermittelbar.

Was bedeutet es für die Prinzipien der Marktwirtschaft, wenn der Staat Gehälter nach oben begrenzt?

Es ist nicht nur ein Schlag für die Marktwirtschaft, sondern eine Bankrotterklärung für den Standort Deutschland. Der Staat selbst ist bei einer international wettbewerbsfähigen Gehaltspolitik kein besonders gutes Vorbild. Wer sich in nationalen und internationalen Gehaltsstrukturen auskennt, weiß genau, dass der Staat z.B. in Forschung und Entwicklung nicht in der Lage ist, für ausländische Professoren adäquate Gehälter zu zahlen, da sie nicht in den Rahmen der deutschen Beamtenbesoldung passt. Man muss sich nur vor Augen führen, dass es eines Kabinettsbeschlusses bedarf, um das Gehalt der Leiter der wichtigsten staatlichen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in Deutschland auf einem Niveau über 200 000 Euro festzulegen.

Welche Folgen könnten langfristig entstehen?

Ich halte den Eingriff des Staates in die Finanzindustrie langfristig für eine Schädigung der deutschen Volkswirtschaft. Da bleibt zu hoffen, dass nicht auch andere Branchen unter einen Schutzschirm kommen. Es sind gerade globale Schlüsselindustrien, die durch die Krise am meisten betroffen sind. Dort brauchen wir die besten verfügbaren Manager aus dem In- und Ausland. Doch überall dort, wo wir Beschränkungen auferlegen, werden wir die nicht mehr bekommen, weil der Arbeitsmarkt ihnen im Ausland attraktivere Angebote bietet.

Glauben Sie, dass der Passus abschreckend auf so manchen Bankvorstand gewirkt hat und er deshalb nicht unter den Rettungsschirm schlüpfen wollte?

Nein, das glaube ich nicht. Aber dass ein solches Verdachtsmoment überhaupt existiert zeigt, wie wenig Grundhaltung einem in Deutschland erfolgreich tätigen Manager noch zugetraut wird. Ein Vorstand ist schon laut Gesetz verpflichtet, Schaden von einem Unternehmen abzuwenden. Wenn ihm das aufgrund seiner Stellung im Unternehmen durch Politik und Öffentlichkeit nicht zugetraut wird, verwundert es nicht, dass gerade jüngere Manager mit hohem Potenzial eine Karriere im Ausland vorziehen, wo der Beruf des Managers noch eine höhere Wertschätzung genießt.

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