Interview mit Alan Blinder
„Er hat wenig Fehler gemacht“

Alan Blinder ist ehemaliger Fed-Vizepräsident und Professor an der Universität Princeton. Mit ihm sprach das Handelsblatt über Alan Greenspan.

Wie würden Sie die Ära Greenspan beschreiben?

Seine Amtszeit war außerordentlich erfolgreich. Er hat die US-Wirtschaft durch eine große Zahl schwieriger Phasen gesteuert und dabei wenig Fehler gemacht.

Was war Greenspans umstrittenste Entscheidung?

Das war mit Sicherheit sein Umgang mit der Internetblase an der Börse Ende der 90er-Jahre. Ich glaube, er hat richtig gehandelt. Greenspan hat wenig getan, um die Blase zum Platzen zu bringen. Aber er war sehr aktiv, um den Schaden hinterher zu begrenzen.

Ist das auch das richtige Rezept für den Umgang mit der Blase auf dem US-Immobilienmarkt?

Ja. Es ist sehr schwierig, eine Blase zu verhindern, ohne gleichzeitig der Wirtschaft schwer zu schaden. Die Erfahrungen der USA seit 2000 zeigen, dass die Politik der Schadensbegrenzung sehr gut funktioniert.

Was ist Greenspans größte Leistung?

Er hat die Wirtschaft 18 Jahre lang ohne größere Rezessionen auf Wachstumskurs gehalten und die Inflation im Griff behalten.

In welcher Verfassung befindet sich die US-Wirtschaft heute?

Sie befindet sich in einem soliden Zustand, es gibt aber Risiken. Da ist zunächst die Immobilienblase, wo die Phase rapider Preissteigerungen zu Ende geht. Damit geht der Wirtschaft ein Wohlstandsmotor verloren. Das zweite Risiko sind die steigenden Ölpreise. Auf lange Sicht müssen wir außerdem einen Ausweg aus den Defiziten im Haushalt und in der Leistungsbilanz finden.

Wie würden Sie Greenspans Führungsstil beschreiben?

Er ist ein ziemlicher Einzelgänger mit eigenem Kopf. Außerdem saugt er Wirtschaftsdaten wie ein Staubsauger auf. Niemand weiß jedoch, wie Greenspans Denkmodell für die Wirtschaft aussieht. Ich bezweifle, dass es so ein Modell überhaupt gibt.

Macht das die Arbeit für seinen Nachfolger nicht schwieriger?

Das ist ein großes Risiko. Wir können Greenspan nicht klonen. Die Frage ist, was wir von seiner Erfolgsformel retten können.

Wer wird sein Nachfolger?

Alle drei in der Diskussion befindlichen Kandidaten – Feldstein, Bernanke und Hubbard – sind dem Job gewachsen. Keiner wird allerdings das Amt mit der gottähnlichen Autorität antreten, wie sie Greenspan jetzt besitzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%