Interview mit Wolfgang Joop
„Mode ist Krieg“

Paradiesvogel und gefeierter Designer: Im Handelsblatt-Interview spricht Modedesigner Wolfgang Joop über seine Modemarke Wunderkind, Investitionen und den brutalen Kampf um die Kundschaft. Er erklärt, wie schwierig die Existenzgründung in Deutschland ist und was das Modegeschäft wirklich ausmacht.

Handelsblatt: Herr Joop, Sie haben mit Hans-Joachim und Gisa Sander neue Investoren für Ihre Modemarke Wunderkind gewonnen. Bisher waren Sie und Ihr Partner Edwin Lemberg alleinige Gesellschafter. Haben Sie keine Angst, dass Sie wie zuletzt bei Joop! bald nicht mehr Herr im eigenen Hause sind?

Joop: Nein, Joachim Sander ist Deutschlands größter Kunsthändler und -sammler, und keiner versteht mehr von Kunstmarketing. Unsere Mode wird aus einem ähnlichen Motiv gekauft wie Kunst. Unsere Kunden kaufen ein Kleid mit einem Anspruch auf Einzigartigkeit. Von daher hätten wir keine besseren Partner als die Sanders finden können.

Die Sanders halten 50 Prozent und sind voll stimmberechtigt ...

Wir haben absichtlich diese wirkliche Partnersituation angestrebt, um eine konstruktive Auseinandersetzung eingehen zu können. Wunderkind ist unser gemeinsames Kind. Und im Rückblick auf früher möchte ich nur sagen: Die damaligen Investoren haben einfach nicht dem Potenzial vertraut, das von einer kreativen Natur wie mir ausgeht.

Wie viel Geld haben die Sanders investiert?

Eine Zahl sage ich Ihnen nicht. Aber wenn man im Modemarkt penetrieren will, dann brauchen sie heute so wahnsinnig viel mehr Geld als früher. Deshalb ist zum Beispiel ein Karl Lagerfeld klug genug gewesen, sein Talent potenten Partnern anzuvertrauen. Auch eine Jil Sander macht es höchstwahrscheinlich selbst nicht noch einmal und ein Helmut Lang auch nicht. Die Modewelt ist keine schöne Welt. Mode ist Krieg.

Und wir dachten Kunst.

Es geht nur um Verdrängung. Es ist ein Kampf um diese superreiche, langbeinige, schmerzfreie Frau, der die Stilettos nicht wehtun, die Handtasche nicht zu teuer ist, die die Größe 34 hat oder noch besser 32 – und die es eigentlich gar nicht gibt. Und um da dauerhaft mithalten zu können und es nicht aussehen zu lassen wie die Laune eines exzentrischen, verletzten Künstlers, brauchen sie finanzielle Mittel, die permanent und üppig fließen. Und nicht nur das. Sie brauchen auch emotionale Unterstützung.

Inwiefern?

Wenn man wie ich der kreative Kopf und der Hauptfinanzier eines Unternehmens ist, hat man eine sehr schizophrene Situation. Ich muss bedenkenlos arbeiten können wie ein Künstler, wie ein Kind, ein Wunderkind eben. Ein Beispiel: Für einen Rock der aktuellen Kollektion brauche ich sechs Meter Stoff. Es sind lange, weite Röcke und dazu noch schräg geschnitten. Und wenn ich dann anfange, darüber nachzudenken, wie viel noch im Portemonnaie ist, dann behindert mich das in meiner Kreativität. Und natürlich will ich auch, dass das Unternehmen berechenbar und rechenbar ist und profitabel, denn sonst sieht es eben aus wie ein exzentrisches Hobby.

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