Interview
„Unternehmen vor Familie“

Im Handelsblatt-Interview spricht Volker Wittberg, Professor an der Fachhochschule für Mittelstand in Bielefeld, über das Management und die Zeitplanung von Familienunternehmen und lobt deren Professionalität.

Herr Wittberg, plant und organisiert der Familienunternehmer anders?

Triebfeder für Familienunternehmer ist, das eigene Unternehmen gesund an die nächste Generation weiterzugeben. Dies ist bei Falke bereits drei Mal gelungen. Zentrale Planungsdimension ist unter diesem Aspekt eine eindeutige Nachfolgeregelung. Vertrauen untereinander in der Familie, die Fähigkeit der Konfliktlösung und das Pflichtgefühl, die Tradition fortzusetzen und nicht den Makel zu tragen, eine Unternehmensdynastie beendet zu haben, bilden die Grundlage sämtlicher Planungsüberlegungen. Der Zeithorizont der Planung umfasst daher auch eher Generationen als Quartale.

Plant der Familienunternehmer dann als Familienmitglied oder als Unternehmer?

Das Management - und damit auch die Planung - eines Familienunternehmens unterliegt schon aufgrund der unterschiedlichen Rollen der Entscheider ganz spezifischen Rahmenbedingungen. Um die Herausforderungen an das Management von Familienunternehmen umfassend herausarbeiten zu können, muss man alle Rollen umfassend verstehen: die des Unternehmers, des Eigners und des Familienangehörigen. Daraus lassen sich unterschiedliche Zielsetzungen, Funktionen, Prioritäten und potenzielle Konflikte in der Familienunternehmung ableiten. Zudem ist die Rollenverteilung auch nicht statisch.

Welche Rolle nimmt der erfolgreiche Familienunternehmer ein?

Die Unternehmensplanung, ihre Ziele und Prioritäten stehen im Kontext eines besonderen Kräfteverhältnisses. Problemstellung, Alternativensuche, Beurteilung und Finalentscheidung stehen unter Umständen in einem anderen Licht, wenn die Betrachtungsperspektive gewechselt wird. Dies hängt mit der jeweils individuellen Interessenlage zusammen, die ein Unternehmensangehöriger als Familienmitglied, Eigner oder Manager hat. Letztlich aber ist das Unternehmen die Quelle des Wohlergehens aller Beteiligten. Daher muss das Planungsleitbild lauten: Unternehmen vor Familie!

Planung im Familienunternehmen: Transparenz oder Küchenkabinett?

Die Planungsprozesse in erfolgreichen Familienunternehmen stehen in ihrer Professionalität denen im kapitalmarktorientierten Unternehmen nicht nach. Im Bereich der mittelfristigen und kurzfristigen Planung unterscheiden sich die Planungsmethoden, -techniken und-instrumente nicht wesentlich von denen der Nicht-Familienunternehmen. Der Entscheidungsvorbereitung folgt bisweilen aber ein anders ablaufender Weg der Entscheidungsfindung. Dies entspringt aber nicht aus einer anderen Planungslogik, sondern dem langfristigen Zielsystem.

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