Investmentbanken
Große Stunde kleiner Häuser

Die Finanzkrise fordert bei den großen, global tätigen Investmentbanken ihren Tribut. In den kommenden Monaten werden hier Hunderte von Spezialisten entlassen. Andererseits bietet der Jobabbau Chancen für kleinere Akteure, die sich personell verstärken wollen. Denn der Markt für mittelgroße Deals ist von der Flaute bisher relativ wenig betroffen.

FRANKFURT. Die niederländische Bank NIBC will etwa in Deutschland auch im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) im Mittelstand zukünftig stärker mitspielen. "Wir haben uns entschieden, ein M&A-Team aufzubauen", sagte Franz Plesser, Ko-Chef für Deutschland von NIBC. Das Institut ist gerade auf der Suche, um sich in diesem Bereich zu verstärken. Plesser sieht gute Chancen, ein interessantes M&A-Team einzukaufen, da es gerade bei stark von der Finanzkrise getroffenen Banken wie UBS, Société Générale und Citigroup auch zu Aderlässen im Bereich M&A komme. NIBC ist in Deutschland seit 2005 aktiv und beschäftigt derzeit 40 Mitarbeiter. Auf Sicht von drei Jahren soll die Mannschaft auf 60 bis 80 Banker ausgebaut werden. Die niederländische Bank, die einem Konsortium um J.C. Flowers gehört, geriet in die Schlagzeilen, als der geplante Verkauf an die isländische Kaupthing Bank Ende Januar platzte. In den vergangenen sechs bis neun Monaten ist der sogenannte Mid Market im Vergleich zu den Mega-Deals von den Verwerfungen an den Kapitalmärkten nur gering betroffen gewesen.

Trotz der Finanzkrise gibt es für Transaktionen bis in den Bereich von 600 Mill. Euro immer noch ausreichend Kredite. Bei den großen Investmentbanken sind dagegen viele Bereiche nicht mehr voll ausgelastet; deshalb kommen zahlreiche Experten auf den Stellenmarkt. "Wir nutzen das aus, um Leute für bestimmte Branchen und Produkte für uns zu gewinnen. So sind wir allein in Frankfurt binnen der letzten neun Monate von null auf 20 Professionals gewachsen", sagt Richard Markus, Managing Director und Ko-Chef des Investment-Bankings in Deutschland bei Jefferies International. In Europa hat die Investmentbank um etwa 70 auf rund 350 Experten aufgestockt. Für die Zukunft ist Markus vorsichtig, denn es gebe erste Anzeichen dafür, "dass der Deal-Flow auch im mittleren Segment etwas schmaler wird". Möglicherweise erlebe man eine Sommerflaute, bevor das Geschäft im Herbst wieder anziehe.

Für die auf mittelgroße Unternehmen spezialisierte Investmentbank Close Brothers waren die vergangenen zehn Monate seit Ausbruch der Finanzkrise zwar die besten in der Firmengeschichte, "das muss aber nicht so weitergehen", warnt Geschäftsführer Ernst von Freyberg. Denn seit etwa zwei Wochen spüre man, dass Bankfinanzierungen auch für mittelgroße Deals schwieriger würden. Entscheidend für das Geschäft in diesem Segment sei übrigens der Exporterfolg deutscher Unternehmen. Der M&A-Markt werde hier getrieben von der Ertragsstärke der Firmen, und die werde wiederum vom Export getrieben. Auch von Freyberg sieht momentan hervorragende Chancen, sich personell zu verstärken. So habe man den Bereich Debt Advisory mit Experten von Credit Suisse und Dresdner Kleinwort ausgebaut. Innerhalb eines Jahres sei die Truppe in Frankfurt um zehn auf nunmehr 40 Experten gewachsen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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