„Irgendwo geht die Reise immer hin“
Wickert sagt gerührt Adieu

Sichtlich gerührt hat sich der scheidende „Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert am Donnerstagabend von den Zuschauern verabschiedet. Er bedanke sich für das Vertrauen, sagte der 63-Jährige im Hamburger Nachrichtenstudio. Die Kollegen klatschten ihm Beifall - und überreichten ihm einen Blumenstrauß, den der Geehrte sogleich in die Runde warf.

HB HAMBURG. „The road to nowhere - irgendwo geht die Reise immer hin“, sagte Wickert im Anschluss an einen Bericht seines Nachfolgers Tom Buhrow über die Ruhrtriennale. „Bei Ihnen, meine Damen und Herren, möchte ich mich von diesem Platz verabschieden,und ich möchte Ihnen danken dafür, dass Sie mich 15 Jahre lang während der „Tagesthemen' in Ihrem Wohnzimmer empfangen und ertragen haben, und dass Sie mir vertraut haben“, fügte er hinzu. Am Freitag werde Buhrow die Zuschauer „von diesem Platz aus begrüßen, möge er Ihnen bald eine guter Freund werden.“ Er lobte die Redaktion der Sendung, „ohne die wir Moderatoren nichts sind, und ich werde sie und Anne Will vermissen“. Und wie in allen seinen gut 2500 Sendungen wünschte er schließlich „einen angenehmen Abend und eine geruuuhsame Nacht“. 4,34 Millionen Zuschauer, deutlich mehr als sonst, saßen vor den Bildschirmen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, den Wickert zuvor zum Thema Iran und Atomkonflikt befragt hatte, sagte, er hätte ihm politisches Ungemach „an diesem für Sie ganz besonderen Tag“ gern erspart und einen gelösten Konflikt als Geschenk auf den Tisch gelegt. Obwohl die geplante Interviewzeit schon längst überschritten war, ließ es sich Steinmeier zur Überraschung von Wickert und seinem Team aber nicht nehmen, dem 63-Jährigen „für 15 Jahre hervorragende journalistische Arbeit“ zu danken. „Ich wünsche Ihnen, dass es lange dauert, bis Ihre Kollegen sagen, „eine geruhsame Nacht“.“

Wickert hat die „Tagesthemen“ 15 Jahre lang präsentiert. Am Freitag leitet sein Nachfolger Tom Buhrow erstmals die Sendung, der zuletzt Studioleiter in Washington war und wie sein Vorgänger vom WDR kommt. Seinen Ohrwurm, über den der Regisseur während der Sendung mit ihm stets gesprochen hat, nahm Wickert allerdings mit. „Der passt nur mir“, sagte mit Wehmut in der Stimme das „Tagesthemen“-Aushängeschild kurz nach seiner letzten Moderation der Nachrichtensendung. Der Routinier ließ sich durch diese spontane Aktion nicht aus der Bahn werfen und moderierte zielstrebig wie eh und je und mit gewohntem Charme und Witz zu Ende. Genau um 22.48 Uhr und 28 Sekunden flimmerte der 1,96-Meter-Hüne letztmalig als Anchorman der „Tagesthemen“ über die heimischen Bildschirme

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