Jac Nasser
Die Rückkehr eines Streitbaren

Ex-Ford-Chef Jac Nasser wird Chairman des Rohstoff-Weltmarktführers BHP Billiton.

DÜSSELDORF. Zuletzt war er eher einer für die Kategorie "Was macht eigentlich ...?", doch bald kehrt er auf die große Bühne zurück. Jac Nasser, der spektakulär gescheiterte Ford-Chef der Jahrtausendwende, ist gestern zum neuen Verwaltungsratschef des britisch-australischen Bergbau-Giganten BHP Billiton bestimmt worden. In einer geheimen Abstimmung setzte sich der 61-Jährige gegen den vier Jahre älteren Chairman der Commonwealth Bank of Australia, John Schubert, durch. Doch den Spitzenposten als Chairman wird er erst Anfang 2010 von Don Argus übernehmen, der seit zehn Jahren amtiert.

Nasser setzt die Tradition fort, dass ein Australier an der Spitze des Verwaltungsrates bei BHP steht. Er ist zwar im Libanon geboren, kam aber mit seinen Eltern im Alter von vier Jahren auf den Kontinent und hat die australische neben der US-Staatsbürgerschaft. Er studierte in Australien Ökonomie und begann dort seine 33-jährige Karriere bei

Unaufhaltsam stieg der kleine, bullige Mann beim US-Autokonzern auf, war in den neunziger Jahren Europachef, Produktionschef und Chef des globalen Automobilgeschäfts, ehe er 1999 ganz an die Spitze vorstieß. Seine Kämpfernatur brachte ihn nach oben, wo er aber nicht lange blieb.

Keine drei Jahre hielt Nasser an der Spitze des Konzerns mit 360 000 Beschäftigten und 170 Milliarden Dollar Umsatz durch. Dann servierte ihn der Verwaltungsratschef William Clay Ford Jr., Urenkel des Firmengründers, ab. Zu eigenwillig hatte Nasser agiert, zu viele Pannen hatten seine Amtszeit begleitet. Kritiker warfen ihm vor, der Kauf der Luxusmarken Volvo, Jaguar und Land Rover sei auf Kosten der Investitionen ins US-Stammgeschäft gegangen. Dort gab es eine peinliche Serie imageschädigender Rückrufe.

Die Narben scheinen noch immer nicht verheilt. Ungewöhnlich detailliert lässt Nasser in der gestrigen Pressemitteilung von BHP seine Verdienste als Ford-Chef aufzählen. Sogar die Einführung eines konzernweiten Fortbildungsprogramms findet er erwähnenswert.

Gleich nach dem Abschied von Ford stieg Nasser als Senior-Partner bei der Private-Equity-Firma One Equity Partners ein, die heute zu JP Morgan gehört. Auch eine Reihe von Aufsichts- und Verwaltungsratsposten bekleidete er. Heute gehört er dem internationalen Beraterkreis des Allianz-Konzerns an, sitzt im Verwaltungsrat des britischen Pay-TV-Senders BSkyB und seit 2006 im Verwaltungsrat von BHP.

Dort wird er künftig das Gegengewicht zum jungen Vorstandschef Marius Kloppers bilden.

Das Jahr 2010 dürfte einen neuen Aufschwung der Rohstoffbranche einläuten - und vielleicht einen neuen Griff nach dem Erzkonkurrenten Rio Tinto. Nassers Tatendrang hat ein neues Ventil gefunden.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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