Jahrestag Loveparade-Katastrophe
McFit-Gründer Schaller verdient wieder kräftig

Er ist einer der Köpfe hinter der Loveparade in Duisburg. Das Unglück hat ihn als Menschen verändert. Sein Erfolg jedoch blieb: In den kommenden Jahren will er sowohl in Spanien als auch in Italien neue Studios eröffnen.
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BerlinWenn Rainer Schaller die McFit-Zentrale im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg betritt, kann er einfach "der Rainer" sein. In den offenen, bunten Räumlichkeiten der Fitnesskette herrscht Wohnzimmeratmosphäre, alle duzen sich. Schaller ist mittendrin, scherzt mit Mitarbeitern, packt mit an. Der braun gebrannte, kräftig gebaute Franke in Jeans und Sneakers verkörpert das Geschäft mit dem Körperkult perfekt.

Es gibt aber auch einen anderen Rainer Schaller. Für viele Menschen ist er einer der Köpfe hinter der Loveparade in Duisburg, bei der vor zwei Jahren 21 Menschen ums Leben kamen. Seine Firma McFit war Hauptsponsor der Veranstaltung. Wenn Schaller in Interviews über das Ereignis spricht, scheint er ein anderer Mensch zu sein. Er ist in sich gekehrt, schwarz gekleidet, wählt jedes Wort mit Bedacht. Er ist eher ein Schatten- als ein Strahlemann.

Die nachdenklichen Auftritte haben sich gelohnt. Zwei Jahre nach dem Unglück hat sein Unternehmen das Negativimage weitgehend abgelegt. "Die Marke Loveparade hat beim Unglück die Marke McFit überstrahlt", sagt Berater Frank Dopheide. Duisburg habe als Veranstaltungsort gelitten, McFit sei medial weniger präsent gewesen. "Für die Öffentlichkeit hatte McFit keine unmittelbare Verantwortung", sagt Dopheide. Das habe die Marke gerettet.

Das war nur möglich, weil Schaller selbst seinen Beitrag dazu geleistet hat und McFit ohne ihn nicht denkbar ist. "Ich kenne jeden Studioleiter persönlich, meine Mitarbeiter haben alle zu mir gehalten", sagt der 43-Jährige, dessen Firma Lopavent Veranstalter der Technoparade in Duisburg war. "Es gab nur wenige Kündigungen, kein einziger Mitarbeiter hat das Unternehmen verlassen." Und damit das auch so bleibt, ist ein Verkauf an Finanzinvestoren, wie beim Konkurrenten Fitness First, für Schaller tabu. "In dem Moment verliert ein Unternehmen seine Seele", sagt er.

Dass sein Konzept funktioniert, zeigen die Zahlen. Im Geschäftsjahr 2010 steigerte er den Umsatz seiner Fitnesskette um knapp 15 Prozent auf 154,2 Millionen Euro.

McFit ist der Discounter unter den Fitnessstudios. Für 16,90 Euro trainieren rund 1,2 Millionen Mitglieder in den 154 Studios der Kette. Beim Konkurrenten Fitness First sind es mit 280 000 Mitgliedern deutlich weniger. Doch ganz ohne Extras geht es auch bei McFit nicht mehr. Auf Monitoren zeigen einige Filialen inzwischen auch Yoga- oder Pilates-Übungen.

In den kommenden Jahren will Schaller kräftig investieren: In Deutschland und Spanien sollen neue Studios eröffnen - und ab 2013 auch in Italien und Polen. Als Geschäftsmann will er wieder möglichst häufig der Rainer sein.

Saskia Littmann
Saskia Littmann
Wirtschaftswoche

Kommentare zu " Jahrestag Loveparade-Katastrophe: McFit-Gründer Schaller verdient wieder kräftig"

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  • Man liest aber nix darüber ob Schaler sich irgendwie mit den Familien der Opfer in Verbindung gesetzt hat?

  • Ich hatte mal fast zwei Jahre lang für McFit gearbeitet, und hatte die Möglichkeit Rainer Schaller kennen zu lernen. Er ist nicht nur für seine Mitarbeiter ein zugänglicher Mensch, sondern auch ein ehrenhafter Mann. Er legt sehr viel Wert auf die Zufriedenheit der McFit-Kunden. McFit ist langer nicht mehr eine Billigkette. Das Unternehmen bietet für einen niedrigen Preis eine hohe Leistung an, außerdem ist es sehr ehrlich zu den Kunden und Interessenten. Der Mitgliedschaftsvertrag ist sehr transparent. Wie bei einigen anderen Ketten werden die Kunden nicht abgezockt. Das ist vielleicht das wichtigste Erfolgsgeheimnis von McFit. Der große Verdienst von Rainer Schaller ist, dass er vielen Menschen in Deutschland Fitness bezahlbar gemacht hat. Ich persönlich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg auf diesem Wege.

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