James Hogan
Der Himmel soll die Grenze sein

Der Australier James Hogan will Abu Dhabis Fluggesellschaft Etihad zu einer neuen Macht am Golf formen. Die Gefahr eines Verdrängungswettbewerbs mit den Konkurrenten Emirates und Qatar Airways wischt er vom Tisch.

DUBAI. Wer James Hogan zum ersten Mal sieht, denkt eher an das Erscheinungsbild eines Landpfarrers. Sanfte Stimme, schütteres Haar, freundlicher Blick. Doch dann kommen Sätze wie: „Mein Ziel ist es, die beste Fluggesellschaft der Welt aufzubauen.“ Oder: „Wir ziehen das Geschäft von den traditionellen Drehkreuzen Europas ab, auch von denen Asiens.“ Zack! Ende der sakralen Gemütlichkeit.

Dass der Chef der staatlichen Fluggesellschaft Etihad aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi Taten noch mehr als Worte schätzt, hat er gerade einmal wieder bewiesen. Mit der Bestellung von 100 Flugzeugen bei Airbus und Boeing sorgte er für den Knalleffekt auf der Luftfahrt-Show im britischen Farnborough. Leute, die den 51-jährigen Australier kennen, wundert das nicht. „Hogan denkt strategisch“, sagt einer aus seinem Umfeld.

Seit dem 1. Oktober 2006 steht Hogan an der Spitze von Etihad. Seine Devise: langsam durchstarten, dann spektakulär abheben. Im ersten Halbjahr 2008 hatte die Fluglinie 2,8 Millionen Passagiere, 41 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ende 2008 sind sechs Millionen anvisiert. Und wenn erst der neue Airport in Abu Dhabi mit einer Kapazität von 20 Millionen Fluggästen 2010 seinen Betrieb aufnimmt, soll der Himmel die Grenze sein, denkt Hogan. Bis dahin will er die 2003 gegründete Fluglinie in die Gewinnzone bringen. Dass Etihad noch rote Zahlen schreibt, kann er locker wegstecken. Das ölreiche Emirat schwimmt in Petrodollar.

Es gibt Momente, da verliert der Etihad-Boss seinen nüchternen Gestus, und er gerät ins Schwärmen. Zum Beispiel, wenn er über die Region am Rand der Arabischen Halbinsel redet. „Wir machen hier eine neue Grenze auf“, fabuliert er dann. „Geografisch ist der Golf der natürliche Kreuzpunkt der Welt.“ Die Gefahr eines Verdrängungswettbewerbs mit den Konkurrenten Emirates in Dubai und Qatar Airways in Doha wischt er vom Tisch: „Es gibt genug Potenzial für alle.“ Als sein Einzugsgebiet betrachtet er Südostasien, den Mittleren Osten und Afrika. „Bisher musste man innerhalb Europas nach London, Paris oder Frankfurt kommen, um in den Nahen Osten oder nach Asien zu fliegen“, betont er. „Heute holen wir die Leute in Dublin, Frankfurt und Mailand ab.“ Der Mann, der gerne mal im Büchlein „Die Kunst des Krieges“ des chinesischen Militärstrategen Sun Tsu nachschlägt, lächelt leise.

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