James Hogan
Etihad wechselt den Chef aus

Air-Berlin-Großaktionär Etihad trennt sich von seinem Konzernchef. James Hogan soll die Airline aus Abu Dhabi in der zweiten Jahreshälfte verlassen. Die Fluggesellschaft steckt mitten in einer tiefen Krise.
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Abu DhabiNach dem Abtritt von Stefan Pichler bei Air Berlin tauscht auch der arabische Großaktionär Etihad seine Führungsspitze aus. Konzernchef James Hogan werde das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte verlassen, teilte die Fluggesellschaft aus dem arabischen Emirat Abu Dhabi am Dienstagmorgen mit. Das Handelsblatt hatte bereits im Dezember berichtet, dass Hogans Entlassung bevorsteht. Auch Finanzchef James Rigney nimmt seinen Hut.

Der 60-jährige Hogan werde bei Etihad bleiben und zu einer Investmentfirma der staatlichen Airline wechseln. Das Unternehmen danke Hogan dafür, dass er in seinen zehn Jahren an der Spitze aus einer kleinen Regionalairline mit 22 Flugzeugen einen globalen Konzern mit einer Flotte von 120 Maschinen gemacht habe, sagte Aufsichtsratschef Mohamed Mubarak Fadhel Al Mazrouei. Die Suche nach Nachfolgern für beide Manager laufe.

Die erst im Juli 2003 gegründete Fluggesellschaft steckt offenbar in einer tiefen Krise. Zwar zeigen die nur rudimentär verfügbaren Geschäftszahlen bis 2015 Wachstum bei Umsatz und Passagierzahl. So legte der Umsatz im vergangenen Jahr von 7,6 auf 9,02 Milliarden US-Dollar zu. Der Nettogewinn ist von 73 auf 103 Millionen US-Dollar gestiegen.

Doch auch wenn diese Zahlen laut Etihad nach IFRS-Standard erhoben und von Deloitte geprüft wurden, legt die Airline keinen detaillierten Geschäftsbericht vor. Nach Informationen aus dem Umfeld des Eigentümers und des Unternehmens sollen die publizierten Zahlen nicht die ganze Wahrheit widerspiegeln, die Fluglinie sei angesichts der zahlreichen Investments bislang ein Verlustbringer, heißt es.

Etihad gehört dem Ölemirat Abu Dhabi am Persischen Golf. An der Spitze der Regierung steht eine Herrscherfamilie, die nun die Konsequenzen zieht aus der gefloppten Europa-Strategie von Hogan. Unter dem Australier stieg der Emirates-Rivale bei Air Berlin, Alitalia und Air Serbia ein. Die Beteiligungen entpuppten sich jedoch als Milliarden-Grab. Zugleich setzt Abu Dhabi der niedrige Ölpreis zu, der die Staatseinnahmen drückt.

Das Unternehmen steht vor einem radikalen Umbau. Das schier endlose Wachstum der ersten 13 Jahre ist Vergangenheit. Die Staatsairline spart: Bis zu 3000 der gut 26.000 Stellen sollen wegfallen. Betroffen sind Bodenmitarbeiter, aber auch das fliegende Personal.

Gleichzeitig zieht sich Etihad seit Sommer langsam aus Europa zurück. Der derzeitige Air-Berlin-Chef Pichler wird sein Amt Anfang Februar an den bisherigen Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann übergeben. Die bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie wird dabei faktisch in drei Teile zerschlagen. Bis zu 1200 Jobs fallen weg. Ein Teil der Flotte soll samt Personal in einem neuen Bündnis mit dem Ferienflieger Tuifly aufgehen, ein anderer Teil wird inklusive Besatzung an den Lufthansa-Konzern vermietet.

Bei Alitalia steht unterdessen die Streichung von 1600 Stellen im Raum. Die italienische Regierung hat die Fluglinie aufgefordert, einen detaillierten Rettungsplan zu entwickeln. Dieser solle auf die „Wiederbelebung des Unternehmens“ zielen und von den Aktionären und Gläubigern unterstützt werden. Etihad beteilige sich aktiv an der Sanierung, betonte das Unternehmen. Hogan hatte vor wenigen Tagen gesagt, für Alitalia brauche es eine „italienische Lösung“. Damit erteilte er Spekulationen über einen möglichen Einstieg der Lufthansa eine Absage.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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