Jean-Luc Thunevin mischt mit seinem Garagenwein die Bordeaux-Szene auf
Diskjockey – Kartenleger – Star-Winzer

Nichts geht mehr im idyllischen Winzernest St. Emilion unweit von Bordeaux. Verkehrschaos in den engen, steilen Gassen, die den Ort durchziehen, der sich bacchisch auf einer Felskuppe räkelt. Es sind die Tage der Primeurs.

HB ST. EMILION. Die jungen Bordeauxweine werden verkostet, Tausende von Weinmaklern und Handelsvertretern aus Bordeaux und dem Rest der Welt sind ins Zentrum der prestigereichsten Bordeaux-Appellation gekommen.

In einer besonders engen Gasse mit löchrigem Asphalt und braungrauen Hauswänden, an denen das Aprilwetter schmutzig herabrinnt, stauen sich Mercedes SL, 6er BMW und Porsche Cayenne.

Wer sich an dem edlen Blech vorbeidrückt, landet in der mit grauem Marmor ausgelegten Hofeinfahrt von Jean-Luc Thunevin – und am Tor zu jenem Keller, in dem dieser den wohl teuersten Tropfen der Region herstellt: Château Valandraud.

„Leg deinen Mantel da auf die Treppe, nimm dir ein Glas und probier, was dir gefällt. Ich muss telefonieren.“ Thunevin hat überhaupt nichts von einem Schlossherren. Der schlaksige 54-Jährige mit den schwarzen Locken und den wasserblauen Augen begrüßt die Besucher mit Vornamen. Gekommen ist, wer in Bordeaux Rang und Namen hat. Auch ausländische Prominenz wie der Schöpfer des spanischen Edelrotweins Pingus, Peter Sisseck, schauen bei Thunevin ins Glas.

Auch ist Thunevins „Schloss“ alles andere als fürstlich: Der Keller, der die Valandraud-Fässer beherbergt, liegt nicht unter Türmchen und Zinnen im Park, sondern eingezwängt in die verwinkelte Unterstadt des Dorfes.

Das Weingut hat keinerlei Tradition: Es ist vielmehr das erste, das seit 150 Jahren in St. Emilion neu gegründet wurde. Der Name setzt sich zusammen aus der Lage der zwei Stammparzellen, die Thunevin 1989 in einer Tal-Lage (vallée, kurz „val“) erwarb, und dem Namen seiner Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin Murielle Andraud.

Und wo jetzt Valandrauds Fässer stehen, war einst jene Garage, nach der heute eine ganze Klasse aufwendig gemachter, hoch konzentrierter Bordeaux-Weine benannt ist. Für die Produktion des ersten Jahrgangs Château Valandraud musste vor 15 Jahren Thunevins klappriger Wagen, dessen Marke ihm partout nicht mehr einfallen will, seinen Unterstand räumen.

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