Jim Reid-Anderson, Chef der Siemens-Medizintechnik
Kulturschock in Erlangen

Als neuer Chef der Siemens-Gesundheitssparte möchte Jim Reid-Anderson beweisen, dass der Konzern in der Medizintechnik kein Geld versenkt. Reid-Anderson steht dabei in der Pflicht - schließlich hat er einen teuren Zukauf mit eingefädelt. Ein Profil.

MÜNCHEN. Kulturelle Herausforderungen ist Jim Reid-Anderson wahrlich gewohnt. Geboren ist der neue Chef der Siemens-Gesundheitssparte im Irak. Sein Vater, ein schottischer Journalist, startete dort seine Korrespondenten-Laufbahn. Später verschlug es die Familie unter anderem in den Libanon, nach Guyana, Zypern und Singapur. "Wir lebten in ungewöhnlichen Ländern", sagt Reid-Anderson. "Mein Leben war Reisen und Leben in verschiedenen Kulturen." Die neueste, nicht minder harte Herausforderung lautet nun Erlangen. Hier residiert die traditionsbewusste Siemens-Medizintechniksparte.

Eine eingeschworene, stolze Gemeinschaft ist das, Chef der Sparte ist bisher stets einer von ihnen gewesen. Die Berufung Reid-Andersons war für viele ein kleiner Kulturschock. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt kündigte der 49-Jährige am Dienstag an, General Electric als Weltmarktführer ablösen zu wollen. Gelingen wird dies nur, wenn er es schafft, die Mannschaft mitzunehmen.

Reid-Anderson hat den US-Medizintechnikkonzern Dade Behring saniert und dann den Verkauf an Siemens mit eingefädelt. Stolze fünf Milliarden Dollar zahlten die Münchener im vergangenen Jahr. So mancher in Erlangen befürchtete da, dass ein raubeiniger Amerikaner das Ruder übernimmt. Dass sein Lebensmittelpunkt weiterhin in Lake Forest im US-Staat Illinois liegt, wo seine Frau und die vier kleinen Kinder leben, machte die Skepsis nicht kleiner. Zumal Reid-Anderson auf "Mr. Medizintechnik" Erich Reinhardt folgt, der im Zuge der Schmiergeldaffäre seinen Hut genommen hat. "Die Leute lieben ihn", sagt Reid-Anderson. "Er hat auch meinen höchsten Respekt." Mit einem Umsatz von knapp zehn Mrd. Euro lag die Siemens-Medizintechnik im vergangenen Geschäftsjahr nur noch knapp hinter GE.

Viele Ängste haben sich nach den ersten Wochen gelegt. Der mittelgroße Mann mit den feingliedrigen Händen und den eher weichen Gesichtszügen überzeugt viele im persönlichen Umgang. "Er ist ein großer Kommunikator", sagt einer, der mit ihm zusammenarbeitet. Diese Eigenschaft, meint Read-Anderson, habe er wohl von seinem Vater geerbt, dem Journalisten.

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