Jonathan Schwartz
Sun-Chef: „Ich bin ein Geek“

Scott McNealy hat Sun groß und um eine Haar wieder klein gemacht. Sein Nachfolger Jonathan Schwartz, ein lockerer Typ mit schwarzem Pferdeschwanz, ist die Garantie, dass Sun ein Technologieunternehmen bleibt.

SANTA CLARA. Was Jonathan Schwartz an seinem bisherigen Job als Chief Operating Officer bei Sun Microsystems am besten gefällt? „Ich muss nicht Golf spielen“, sagt er und grinst viel sagend, „aber wir haben Mitarbeiter im Vertrieb, die diesen Sport beherrschen.“

Golf, das würde auch nicht passen zu ihm. Und er würde nicht passen zu den grau melierten Herren, die ihre Geschäfte gern auf dem Fairway regeln. Vielleicht liegt es an den stets zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren. Oder an seiner unprätentiösen Art, die den 40-Jährigen auch als Doktorand auf den Fluren einer Universität durchgehen lassen würde.

Doch der äußere Eindruck täuscht. Der studierte Mathematiker und Volkswirt startete seine Karriere Ende der 80er-Jahre bei McKinsey in New York. Nach zwei Jahren gründet er zusammen mit Partnern die Softwarefirma namens Lighthouse Design, die bereits Anfang der 90er-Jahre ihre Software über das Internet vertreibt. Als Lighthouse 1996 vom Silicon-Valley-Superstar Sun Microsystems geschluckt wird, wechselt Schwartz – zu diesem Zeitpunkt Vorstandschef von Lighthouse – mit nach Kalifornien.

„Ich bin ein Geek“, räumt Schwartz freimütig ein. So nennen sich in den USA die Computerverrückten und Internetspinner, die lieber vor dem Bildschirm kleben, als ihre Zeit auf Partys oder mit Sport zu verschwenden. Diese Selbstbeleidigung nimmt man dem Familienvater ab, wenn er erzählt, dass er manchmal mitten in der Nacht vor dem Computer sitzt, um einen Beitrag für sein Weblog zu verfassen, weil er „ohnehin gerade wach war“.

Seit Dienstag nun ist Schwartz neuer Vorstandschef von Sun Microsystems. Das ist keine Überraschung, da er bereits seit längerem der Kronprinz von Unternehmensmitgründer Scott McNealy war. Doch die blanke Tatsache, dass McNealy damit nicht mehr Chef des US-Computerkonzerns ist, markiert nicht nur für Silicon Valley, sondern für die gesamte IT-Branche das endgültige Ende einer Ära.

Auf Meldungen über seinen Rücktritt hatte McNealy noch vor einer Woche geantwortet: „Dieses Gerücht ist 22 Jahre alt.“ Denn so lange stand der zuweilen als schwierig, rechthaberisch und exzentrisch geltende McNealy an der Spitze von Sun.

Zusammen mit Apple-Chef Steve Jobs, Oracle-Gründer Larry Ellison und seinem Erzfeind Bill Gates gehört McNealy zu einer Gruppe charismatischer Gründer, die der modernen US-Computerindustrie ihren Stempel aufgedrückt haben. Charismatisch heißt im Fall von McNealy oft auch: cholerisch. Microsoft beschimpft er regelmäßig als „Reich des Bösen“. Analysten und Journalisten ließ er gerne wissen, dass sie keine Ahnung haben.

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